Stendal. Einst wetteiferten Meisterpianisten darum, den Minutenwalzer von Frederic Chopin in weniger als 55 Sekunden herunterzuspielen. Jetzt haben sich zwei Darsteller aus Wien und Leipzig, Christoph Bochdanski und Michael Vogel, vorgenommen, " Vom Himmel durch die Welt zur Hölle " des Goethischen " Faust " in einer reichlichen Stunde durchzukommen.

Am Ende der vorgegebenen Zeit sind sie am Ziel ihres Spiels, liegen am Boden und zitieren : " Das ewig Weibliche zieht uns hinan. "

Dazwischen liegt ein durchaus vergnügliches " best off " der Faustdichtung, dargestellt mit Puppen in den Händen der beiden Akteure, übergestülpt über ihre Körper oder klein, wie eben Puppen normaler Weise sind. Etwa eingangs der Gretchentragödie. Hier beugt sich der Faustdarsteller über einen Minibrunnen, vor dem Gretchen in Gestalt einer kleinen Puppe sitzt, dann eilt er zu seinem Mephisto, der sich die Gretchenmaske vor das Gesicht hält. In dieses " Gretchen " wird schließlich eine Stoffpuppe gestopft – fertig ist die Tragödie. Plausibel und im Wortsinn begreifbar. Die Musik dazu liefert von der Gitarre und anderen Geräuschinstrumenten Charlotte Wilde. Regie führte Christiane Zanger.

Es folgt der Tragödie zweiter Teil mit Helena und Homunkulus-Experiment im Mittelpunkt. Helena ist hier einer der beiden Akteure ganz in Goldflimmer gehüllt, vorn fährt der Gretchenminibrunnen über die Bühne. Homunkulus steckt in einer Plastikflasche mit Korken verschlossen. Aus ihr heraus artikuliert er durch einen Schlauch verfremdet, der zum Mund des Schauspielers führt. Schließlich stirbt der " Alte " am Boden liegend, über ihn die Maske der Sorge gelegt, die Worte vom " Augenblick " hauchend.

Ein Spiel mit launiger Aktivität, und durchaus eine mögliche Variante des Stoffes, der ja andererseits auch schon im Puppentheater pur verfremdet wurde. Hier sind Mensch und Puppe eine Einheit im überraschenden Miteinander.