Wenn der Leiter des Stendaler Polizeireviers, Olaf Wichmann, und seine Dienstleiter das Unfallgeschehen eines Jahres analysieren, tun sie das nicht der Statistik wegen. Vielmehr geht es darum, aus den Zahlen Rückschlüsse für die präventive Polizeiarbeit zu ziehen. Vorbeugen heißt in diesem Fall, den Unfallursachen zu Leibe rücken.

Stendal. Im vergangenen Jahr ereigneten sich 49 Unfälle weniger als 2008, die auf überhöhte oder unangepasste Geschwindigkeit zurückzuführen waren. Das ist eine Tendenz, die Revierleiter Olaf Wichmann gern zur Kenntnis nimmt. Es ist aber auch ein Argument, mit dem sich die verstärkten Geschwindigkeitskontrollen

auf den Straßen rechtfertigen lassen. Das neue, digitale Geschwindigkeitsmessgerät des Polizeireviers war im Vorjahr 1000 Stunden im Einsatz, wodurch den Beamten immerhin 7500 Temposünder ins Netz gingen.

Folgerichtig kündigen Olaf Wichmann und sein Leiter Revierverkehrsdienst, Andreas Magerl, in Auswertung des Verkehrsunfallgeschehens

2009 an, die Geschwindigkeitskontrollen 2010 weiter zu verstärken. Es soll noch mehr geblitzt werden, auch und vor allem auf den Straßenabschnitten, auf denen 2009 besonders drastische Temposünden festgestellt und geahndet wurden.

Schulungsangebote für junge und alte Fahrer

Schlussfolgerungen zieht das Polizeirevier auch aus der Analyse des Alters der Unfallverursacher. Die meisten fanden sich 2009 in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen. Elf Prozent oder anders gesagt jeder neunte Unfallverursacher war jünger als 25 Jahre. Grund genug für die Stendaler Polizei, dieser Altersgruppe verstärkt Schulungsangebote unterbreiten zu wollen. Ein Angebot, das in diesem Jahr aber auch älteren Kraftfahrern gemacht werden soll. Immerhin waren auch die 65- bis 75-jährigen Kraftfahrer im Vorjahr zu zehn Prozent schuldhaft am Unfallgeschehen beteiligt. Die Zahl der Unfallverursacher dieser Altersgruppe ist seit 2006 von damals 164 Fahrer ( 7, 6 Prozent ) auf 209 Unfallverursacher im vergangenen Jahr gestiegen.

Eines der Schwerpunktthemen ist und bleibt auch Alkohol am Steuer. 88 Verkehrsunfälle wurden 2009 unter Alkoholeinfluss verursacht, einer mehr als im Vorjahr. Allerdings weist die Statistik auch 238 sogenannte " folgenlose Trunkenheitsfahrten " aus. Ein Anstieg zum Vorjahr um 49. Langfristig betrachtet, ist das Bild jedoch ein hoffnungsfrohes. 2004 wurden noch 411 Fahrer gestoppt, die sich unter Alkohol ans Steuer gesetzt hatten. Seither sank diese Zahl bis 2008 kontinuierlich. Revierleiter Olaf Wichmann sieht dafür vor allem zwei Gründe : den " erhöhten Kontrolldruck " seitens der Polizei, mit dem sie auch in diesem Jahr nicht nachlassen werde, und die Tatsache, dass die Leute immer mehr auch beruflich auf ihren Führerschein angeweisen seien und es sich daher genau überlegen würden, ob sie nach Alkoholgenuss noch ins Auto steigen.

Fifty-fifty-Taxi oder

Fahrgemeinschaft

Diejenigen, die es dennoch tun, sind ebenfalls vor allem unter den jüngeren Kraftfahrern zu finden. Von den 88 Verkehrsunfällen nach Alkoholgenuss wurden 30 von Fahrern verursacht, die zwischen 18 und 24 Jahre alt waren. Vor allem an Wochenenden – in den Nächten von Freitag auf Sonnabend und von Sonnabend auf Sonntag ist Alkohol am Steuer ein Problem. Auch dazu wirft die Vorjahrestatistik des Stendaler Polizeireviers beeindruckende Zahlen aus. Wegen Alkohol am Steuer wurden samstagsnachts 34 Kraftfahrer aus dem Verkehr gezogen und freitagsnachts 29 ( Stichwort Diskotouren ), wohingegen es in den anderen Nächten im Durchschnitt zehn waren. Wer in dieser Statistik nicht auftauche möchte, sollte zum Beispiel das " fifty-fifty-Taxi " nutzen. Die Tickets dafür gibt es unter anderem in der Stendaler Sparkassen-Filiale in der Poststraße und bei der AOK. Welche Taxi-Unternehmen mit fifty-fifty-Taxen unterwegs sind, ist im Internet unter fifty-fifty-taxi. de zu erfahren.

Dieses Angebot gibt es für Kraftfahrer jenseits der 26 Jahre allerdings nicht mehr. Ein Taxi oder eine Fahrgemeinschaft mit nüchternem Fahrer sei allerdings auch ihnen für den Heimweg nach feuchtfröhlicher Runde ans Herz gelegt. Und das nicht nur, weil das " Risiko ", von den Polizeibeamten erwischt zu werden, unabhängig vom Alter des Fahrers besteht.