Altensalzwedel. Parteiunabhängig will die neugegründete Bürgerinitiative ( BI ) gegen ein CO2-Endlager im altmärkischen Untergrund streiten. " Wir wollen das Pilotprojekt bei Mahlsdorf stoppen und Einfluss auf das geplante Bundesgesetz zur Abscheidung und unterirdischer Endlagerung von Kohlendioxid nehmen ", kündigte BI-Sprecher Andreas Lange diese Woche während der ersten Sitzung der Bürgerinitiative in Altensalzwedel an.

Fehlende sichere wissenschaftliche Erkenntnisse über möglichen Folgen der CO2- Speicherung im altmärkischen Erdgasfeld, die " besorgniserregende ungeregelte Haftungsfrage ", die mehr als 600 Bohrungen in der Altmark, die nicht mit CO2-resistenten Beton abgedichtet sind, sowie diverse Unfälle mit Kohlendioxid führte Lange als Begründung für den Widerstand an.

Die BI wolle sich für Geothermie-Projekte in der Altmark und für die Schaffung von unterirdischen Druckluftspeichern als Puffer für Strom aus Wind- und Sonnenkraft einsetzen.

Unterstützung aus dem Landkreis Stendal

Unterstützung erhalten die West-Altmärker dabei jetzt aus dem Landkreis Stendal. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen das Steinkohlekraftwerk bei Arneburg, Prof. Jürgen Rochlitz, war mit dem halben Vorstand nach Altensalzwedel gekommen. " Beide Bürgerinitiativen sind siamesische Zwillinge ", erklärte Rochlitz. Denn es sei davon auszugehen, dass das in dem von RWE geplanten Steinkohlekraftwerk anfallende Kohlendioxid mittels Pipeline nach Salzwedel zur unterirdischen Verpressung strömen soll.

" Jährlich wären das bis zu zehn Millionen Tonnen CO ", so der BI-Vorsitzende, der Mitglied in der Kommission für Anlagensicherheit des Bundes-Umweltministeriums ist. " Bei diesem löchrigen Käse ", sagte Rochlitz und bekräftigte in Anspielung auf die mehr als 600 Bohrungen, dies sei " ein Vabanquespiel sondersgleichen auf Kosten der Bevölkerung ". Denn das in Kraftwerk abgeschiedene Kohlendioxid weise 0, 3 Prozent Verunreinigungen auf. Korrosionsschäden seien programmiert.

Beide Bürgerinitiativen sind der Meinung, dass die Erdgaslagerstätte " ein Segen für die Altmark ", besser genutzt werden könne. Zum Beispiel für Geothermie. Kein abwegiger Gedanke. 1996 ist bei Arendsee ein altes Erdgas-Bohrloch reaktiviert worden. Aus 1557 Metern Tiefe wurde 75 Millionen Jahre alte Sole nach oben befördert. 75 Grad heiß war das Wasser aus porösen Sandsteinschichten. Die Kosten für die Erschließung betrugen damals 1, 5 Millionen Mark. Es handelte sich um eine flache Bohrung, denn viele Förderbohrungen sind bis zu 3500 Meter tief.

In dem alternativen Energiekonzept für die Altmark, das die Arneburger BI derzeit erarbeitet, dürfte jetzt wohl auch Geothermie Einzug halten. Eine Entwicklung, die am Dienstag auch der Landesgeschäftsführers des BUND, Oliver Wendenkampf, begrüßte. Er sagte den CO -Endlager-Gegnern seine Unterstützung zu. Ebenso die Stendaler Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert ( Linke ) und die Halberstädter Bundestagsabgeordnete Undine Kurth ( Bündnis 90 / Die Grünen ).