Stendal. In zehn Tagen von Ostthüringen bis nach Mecklenburg-Vorpommern. Das klingt im ersten Moment wie ein schlechter Scherz. Warum sollte man dafür so lange brauchen, wenn es doch nur knapp 500 Kilometer sind ? Die Antwort ist so einfach wie außergewöhnlich : Die Strecke soll nicht mit vier Rädern, sondern auf Schusters Rappen bewältigt werden.

Das haben sich Henrik Schulze ( 25 ) und Michael Lippmann ( 26 ) aus dem thüringischen Ort Töppeln vorgenommen. Während einer Karnevalsveranstaltung meinten sie, ein Lauf von Thüringen zur Ostsee wäre kein Problem, und der Bürgermeister des Ortes, Ralph Weidhaas, nahm sie sogleich beim Wort. Mit seiner Hilfe suchten sich die beiden Männer Sponsoren zur Unterstützung ihres aberwitzigen Vorhabens und starteten am 8. März ihre Reise früh morgens um 8 Uhr.

Das fünfte Etappenziel der beiden war Stendal, wo sie am Freitag gegen Mittag ankamen und auch übernachteten. Von hier aus ging es weiter über Osterburg und Seehausen, bis sie morgen Wismar erreichen – wenn alles wie geplant vonstatten geht.

Zwölf Kilometer lang war ihre Übungsstrecke daheim, danach waren sie sich sicher, dass sie es schaffen würden. Von ihren Chefs haben sie sogar frei bekommen – Henrik arbeitet als Erzieher und Michael als Klempner. Beide sind verheiratet und haben jeweils ein Kind. Am Ende ihrer Wanderung werden sie hoffentlich die Ostsee erreichen. Dort warten dann schon ihre Frauen und Bürgermeister Weidhaas, um ihnen zu der gewonnenen Wette zu gratulieren.

Sollten sie es jedoch nicht schaffen, kommen sie nicht ungeschoren davon. Dann müssen sie für eine Woche in einer sozialen Einrichtung in Gera aushelfen. Außerdem meinten ihre Frauen, dass sie dann auch für zwei Wochen auf Angeln und ihre Playstation verzichten müssen. Aber sie sind beide zuversichtlich, dass es nicht so weit kommen wird.

Mit Weidhaas zusammen haben sie ihre Strecke genau geplant und Etappenziele festgelegt. Und bisher haben sie ihre Pläne immer einhalten können. Doch ganz reibungslos – im wahrsten Wortsinne – verlief ihre Aktion bisher nicht. Die Füße würden zwar nicht schmerzen und gegen Blasen hätten sie Pflaster, aber die Knie und Oberschenkel brennen mittlerweile schon bei den kleinsten Treppen, meint Henrik Schulze. Außerdem gibt es nicht immer ideale Wege, und abends an einer vielbefahrenen Straße entlangzulaufen, ist bekanntermaßen nicht ungefährlich, selbst wenn man mit Beleuchtung ausgestattet ist.

Damit die Daheimgebliebenen und alle anderen Verfolger der Wette sie " begleiten " können, laden sie jeden Tag ein Video auf der Internetseite ihres Heimatortes hoch. Dort kann auch der geplante Streckenverlauf eingesehen werden.

www. toeppeln. de