Stendal. Ist Kammermusik eigentlich nur etwas für ausgemachte Kenner ? Nein ! Das Gegenteil beweist die seit Anfang der Spielzeit von Intendant Dirk Löschner ins Leben gerufene Reihe Kammermusik im Theater. Hier spielen namhafte Solisten verschiedener Genres und erweisen sich als Meister ihres Faches.

Abgesehen von der Tatsache, dass Orchestermusiker die Möglichkeit geradezu suchen, um sich beim Spielen kammermusikalischer Kompositionen zu vervollständigen, bringen diese Konzerte stets musikalischen Genuss mit sich. Dazu muss man sich nicht unbedingt im Fachbereich auskennen. Das Zuhören im Zusammenspiel der Instrumente wird zum ästhetischen Vergnügen.

So war es auch beim Konzert Ende voriger Woche im Kleinen Haus des TdA mit Ayumi Paul ( Violine ) und Isabell von Bernstorff ( Piano ). Beide Solistinnen interpretierten zwei Sonaten von Johannes Brahms für Violine und Klavier.

Die A-Dur Sonate hat für ihre Entstehung einen autobiografischen Hintergrund. Im 2. Thema des Kopfsatzes erklingt das Liedthema " Wie Melodie zieht es mir durch den Sinn ". Es verweist auf die Ankunft lieber Freunde. Auch in der GDur Sonate liegen Liedelemente zugrunde. Diese Komposition widmete Brahms seinem Patenkind Felix Schumann als " kleines Andenken ".

Ob heiter trillernd, fröhlich gleichberechtigt im Duell beider Instrumente singend oder mit elegischem Unterton, der aber nie lange anhält – die beiden Kammermusiken von Johannes Brahms sind " echte Kinder der Romantik ", voller Harmonie, Lyrik und Sinneslust. Die beiden Instrumentalisten hatten auch ihre Freude am Musizieren miteinander. Oft bewegte sich die Violine spielerisch über der parlierenden Klavierstimme, ihr Lied singend.

Zwischen den beiden Sonaten schoben die Ausführenden eine Partita für Violine und Klavier von Witold Lutoslawski. Ach, Sie mögen keine moderne Musik ? Hier hätten Sie Ihre Freude am " Kampfspiel " der Instrumente gehabt. Mal " maulte " die Violine, andererseits ließ auch das Piano sich nicht kleinkriegen und erwiderte brachial mit dicken Akkorden. Mitunter hätte man in diesem " Kleinkrieg " laut loslachen können.

Also : Keine Angst vor Kammermusik und großen Noten. Kommen und hören Sie mit Genuss den Interpreten zu, die musikalische Kostbarkeiten virtuos zu spielen wissen in der Reihe " Kammermusik im Theater der Altmark ".