Stendal. " Er hat genug Chancen gehabt. Ich beantrage hiermit die Verwerfung der Berufung. " Staatsanwältin Iris Benzel ist sauer – und nicht nur sie. Die Strafkammer 10 am Landgericht Stendal unter Vorsitz von Richterin Gudrun Gießelmann-Goetze ist bereits zum zweiten Mal umsonst zusammengekommen, um den Berufungsantrag eines 29-jährigen Stendalers zu verhandeln. Im Juli 2009 kam er eine Stunde zu spät. Er entschuldigte sich damals damit, dass er seine Vorladung verlegt hätte und beantragte die sogenannte Wiedereinsetzung. Die Richter gewährten ihm die Chance. Am Montag sollte der Berufungsprozess im zweiten Anlauf um 8. 30 Uhr beginnen. Wer nicht kam, war der Angeklagte. Eine Justizangestellte informierte, dass sie noch vor Kurzem mit ihm telefoniert habe, ob denn die Adresse für seine Ladung stimme.

Um 8. 55 Uhr verkündete das Gericht dann schließlich die Verwerfung der Berufung. Der 29-Jährige muss nun für sechs Monate ins Gefängnis. Dazu hatte ihn das Amtsgericht Stendal am 23. März vorigen Jahres wegen zweifachen Diebstahls, Sachbeschädigung und dreifachen Hausfriedensbruchs verurteilt.

Wie Staatsanwältin Benzel der Volksstimme sagte, hat der Angeklagte im Johanniter-Krankenhaus aus einem Schrank Medikamente im Wert von etwa 100 Euro geklaut. In einem Discounter habe er versucht, vier Mini-Kräuter-Schnäpse für zirka drei Euro mitgehen zu lassen. Zudem hat der Angeklagte eine Wohnungstür eingetreten und damit einen Schaden von 700 Euro verursacht. In einem Supermarkt in Stendal-Stadtsee habe er Hausverbot bekommen und das Geschäft trotzdem dreimal betreten.

" Das muss er sich jetzt aber mal merken ", kommentierte die Staatsanwältin die Berufungsverwerfung.