" Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist wichtig. Das hat sich heute deutlich gezeigt ", erklärte Landrat Michael Ziche ( CDU ) am Rande des 2. CCSKongresses in Berlin. Rund 400 Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung diskutierten am Donnerstag über Stand und Perspektiven der CO -Speicherung. Deutlich wurde : Ein nationales Gesetz ist dringend notwendig, wenn Deutschland nicht die Technologieführerschaft verlieren will. Das Fehlen eines Rechtsrahmens blockiert seit Monaten auch das altmärkische CO -Projekt.

Berlin. Das Ziel steht fest : Die globalen Temperaturen sollen bis zum Jahr 2050 nicht mehr als um zwei Grad Celsius ansteigen. " Um das zu erreichen, sind gewaltige Anstrengungen notwendig. Sie reichen vom Ausbau der erneuerbaren Energien, mehr Energieeffizienz bis zu technologischen Lösungen wie das Abscheiden und unterirdische Speichern von Kohlendioxid ( CCS : Carbon capture und storage – d. Red. )", erklärte Lord Nicholas Stern am Donnerstag in Berlin.

" Bei einem Leck

würden 97 Prozent

des CO im Untergrund verbleiben "

Der Professor für Wirtschaftswissenschaften und Leiter des Instituts für Klimawandel und Umwelt an der angesehenen London School of Economics hatte 2006 mit dem vielbeachteten " Stern-Report " die ökonomische Seite des Klimawandels betrachtet. Kernaussage : Jetzt den Klimawandel einzudämmen, ist wirtschaftlicher, als später die Folgen zu finanzieren. Zudem würden durch den technologischen Fortschritt neue Märkte und somit Wachstum entstehen. Als ein solcher technologischer Fortschritt gilt CCS. Für Stern eine " lange Brücke von 40 bis 50 Jahren, die zu den erneuerbaren Energien führt ". Deutschland gilt bislang als Technologieführer. So wird bereits in einem Pilotkraftwerk von Vattenfall das als Klimakiller verschrieene Kohlendioxid aus Rauchgas der Kohleverbrennung gewonnen. Im brandenburgischen Ketzin sind in den vergangenen 19 Monaten 28 000 Tonnen CO

650 Meter tief verpresst worden, um die verschiedenen Möglichkeiten eines Überwachungs-Monitorings zu erproben.

Doch seit Monaten klemmt es in Deutschland in Sachen CCS. In der Altmark sogar seit Anfang 2009. Bekanntlich sollen in ein autonomes Erdgasfeld bei Mahlsdorf 100 000 Tonnen CO in 3000 Metern Tiefe ver-

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presst werden. GDF Suez, Betreiber des Erdgasfeldes, will testen, ob so die Erdgasausbeute noch gesteigert werden könne. Zugleich könnte die Frage geklärt werden, ob sich das 2000 Quadratkilometer große Erdgasfeld als CO -Speicher eignet. Ein wissenschaftlicher Forschungsverbund ist für das Vorhaben gebildet worden. Doch ohne ein nationales CCSGesetz wird es keine Genehmigung durch das Land geben. Ein Gesetzesentwurf ist im Frühjahr 2009 Opfer des Bundestagswahlkampfs geworden. " Es droht der Verlust der Technologieführerschaft ", mahnte Tuomo Hatakka, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe, während des Kongresses. Vattenfall will bis 2020 ein Demonstrationskraftwerk bei Jänschwalde errichten und dafür 1, 5 Milliarden Euro – 180 Millionen Euro kommen als Zuschuss von der EU – investieren.

" Optimismus ist

nach Pessimismus

der vergangenen

Monate erstaunlich "

An der Machbarkeit von CCS gab es am Donnerstag keinen hörbaren Zweifel. So wurde auf verschiedene internationale Projekte und auch an die jahrzehntelangen Erfahrungen bei der unterirdischen Gasspeicherung – diese Erfahrungen haben auch die Altmärker Dank der Gaskavernen bei Peckensen – verwiesen. Und die Sicherheit ? Aus Sicht von Dr. Hilke Würdemann, Projektkoordinatorin von Ketzin, eigentlich kein Problem. Die Potsdamer Wissenschaftler hätten den Ernstfall, ein Leck, durchgespielt. Ergebnis : " Bei einem Leck würden innerhalb von 20 Jahren 97 Prozent des verpressten CO im Untergrund verbleiben. " Unter anderem, weil sich das Kohlendioxid auf dem Weg nach oben immer wieder in potenziellen Gassenken sammeln würde. Und auch Dr. Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe betonte, dass die CO -Speicherung sicher betrieben werden könnte.

" Der Optimismus ist nach dem Pessimismus der vergangenen Monate erstaunlich ", schätzte der Halberstädter SPD-Landtagsabgeordnete

Gerhard Miesterfeldt in Berlin ein. Der wirtschaftspolitische Sprecher seiner Fraktion und ehemalige Stendaler Landrat beschäftigt sich seit langem mit CCS. Auch für ihn ist wie für Landrat Ziche die Akzeptanz bei der Bevölkerung ein wichtiges Kriterium, wenn es um CCS geht.

Doch da scheinen gerade im vergangenen Jahr Konzerne wie RWE einiges an Porzellan zerschlagen zu haben. Ohne die betroffene Bevölkerung im Vorfeld umfassend aufzuklären, hatte RWE beispielsweise den Bau einer CO -Pipline Richtung Schleswig-Holstein sowie die geologische Erkundung geeigneter Speicher im Norden Deutschlands angekündigt. Die Folgen waren massive Proteste und die Gründung von Bürgerinitiativen. Jetzt will vor allem die IZ Klima als CCS-Lobbyistin Aufklärung betreiben. Zwei Kurzfilme zu CO und CCS wurden bereits erstellt und am Donnerstag uraufgeführt.

Und auch der Sprachgebrauch ändert sich. Längst ist nicht mehr die Rede davon, dass CO nur aus Kohlekraft-

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werken aufgefangen und in den Untergrund versenkt werden soll. " CCS wird auch bei der Stahl- und Zementproduktion sowie in der chemischen Industrie Anwendung finden müssen ", erklärte Klaus von Trotha, Vorstandsvorsitzender vom IZ Klima. Aber auch bei der Biomassenutzung wie zum Beispiel Biogasanlagen, die in der Altmark derzeit einen Boom erleben, werde CCS eine große Rolle einnehmen, ergänzte Stern.

Für die Altmark würde das völlig neue Perspektiven jenseits eines möglichen RWESteinkohlekraftwerkes bei Arneburg eröffnen. Das Erdgasfeld könnte sich als Faustpfand beim Erreichen der klimapolitischen Ziele der Landesregierung entpuppen. Vorausgesetzt, es wird der praktische Nachweis erbracht, dass trotz rund 300 Förderbohrungen Kohlendioxid dauerhaft sicher verpresst werden kann.

• Das IZ Klima – Informationszentrum klimafreundliche Kohlekraftwerke e. V. – engagiert sich für die Verbreitung von Informationen über die Chancen und Potenziale der CCSTechnologie.

• Der Verein hat seinen Sitz in Berlin. Er ist eine gemeinsame Kommunikationsplattform, der gegenwärtig die Unternehmen Alstom Deutschland, Babcock Borsig Services, DB Energie, EnBW, E. ON, General Electric, Großkraftwerk Mannheim Aktiengesellschaft, Hitachi Power Europe, RWE Power, Siemens Energy Sector, ThyssenKrupp Steel und Vattenfall angehören.

www. iz-klima. de