Sie tun es in ganz Deutschland und Europa, von Mexiko bis Kanada und von Korea bis Australien – die Spezialisten der Stendaler Firma Geo-Metrik vermessen die Welt. " Nur für die Stadt Stendal sind wir noch nicht so richtig zum Einsatz gekommmen ", ließ Prokurist Falk Sichert die Mitglieder des Wirtschaftsförderungsausschusses wissen, als dieser die Firma besuchte.

Stendal. Ein Mitarbeiter vermisst zurzeit Weichen in der Londoner U-Bahn, die für die Olympischen Spiele 2012 ausgebaut werden soll ; drei Vermesser sind gegenwärtig in China tätig, drei andere packen gerade ihre Koffer, um – ebenfalls wegen Olympia – nach Sotschi zu reisen. Zu einem Globalplayer im besten Sinne hat sich die Geo-Metrik Ingenieurgesellschaft in den zurückliegenden Jahren gemausert. Aus dem VEB Geodäsie und Kartographie hervorgegangen, umfasst die Unternehmensgruppe 15 Vermessungsbüros, die meisten in Ostdeutschland, drei im Ausland – Tschechien, Slowakei und Australien.

2002 nahm die Geo-Metrik in Stendal ihren Betrieb auf. Die Ingenieurgesellschaft beschäftigt hier 18 Mitarbeiter, die 1, 5 Millionen des 7, 8 Millionen Euro umfassenden Gesamtumsatzes der Unternehmensgruppe einspielen. Prokurist Falk Sichert blickte in staunende Gesichter, als er den Mitgliedern des städtischen Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Vergabe das versteckt hinter einem Autohaus im Gewerbegebiet Süd-Ost angesiedelte Unternehmen vorstellte. In guter Tradition hatte der Ausschuss unter Vorsitz von Bernd Hauke ( Linkspartei ) seine Sitzung wieder einmal an die wirtschaftliche Basis der Hansestadt verlegt.

Da die Stendaler Firma Teil eines Unternehmensverbundes ist, sei sie in der Lage, auch größere Aufträge anzunehmen, erklärte Falk Sichert. So sei sie in den zurückliegenden Jahren mit umfangreichen Deich- und Flussvermessungen in der Altmark betraut worden, zum Beispiel der Milde von Kalbe bis Gardelegen, des kompletten Alands oder der Aller. In den Hochwasserjahren 2002 und 2006 vermaß und kartographierte Geo-Metrik die größte Ausbreitung der Flut in der Region.

Vermessungstechnisch betreut wurden Sprühturmsanierungen im Stendaler Milchwerk, das neue Umspannwerk Stendal-West, das komplizierte Rohrleitungssystem des Zellstoffwerks, der Bau der Tangermünder Elbebrücke, des Berliner Hauptbahnhofs und des City-Tunnels in Leipzig, um nur die spektakulärsten Projekte zu nennen.

Mit der Betreuung des Baus der sogenannten festen Fahrbahn der ICE-Strecke Berlin-Hannover in den Jahren 1997 bis 1999 war Geo-Metrik, damals noch ohne Standort in Stendal, ins Eisenbahngeschäft eingestiegen. " Da kam das von uns selbst entwickelte Gleichrichtsystem Tachyrail zum Einsatz, mit dem an jeder einzelnen Schwelle das Gleis justiert wird ", berichtete Prokurist Sichert den Ausschussmitgliedern. Seitdem ging es Schlag auf Schlag weiter mit Aufträgen im internationelen Eisenbahnbau : die ICE-Strecke Köln-Frankfurt, Hochgeschwindigkeitsstrecken in Taiwan und Korea, Hochbahnen auf den Flughäfen Mexiko und Toronto. In Australien, wo Geo-Metrik einen Tunnel und Förderbänder in Kohleminen mit realisierte, hat ein ausgewanderter Mitarbeiter inzwischen eine Tochterfirma mit 25 Arbeitsplätzen gegründet.

Neben den weltweiten Aktivitäten seien aber auch die Aufträge aus der Region wichtig, sagte Sichert. " Denn wenn die Kollegen aus dem Ausland zurückkommen, brauchen wir hier Arbeit. " Für die Zukunft hofft er, auch mit der Stadt Stendal ins Geschäft zu kommen.