Dass man als Oberbürgermeister viel zu tun hat, ist keine Neuigkeit. Aber dass dieser Job mehr als nur Regieren und Repräsentieren bedeutet, zeigt die Liste der " Nebenjobs " von OB Klaus Schmotz, die dem Hauptausschuss am Montag zur Information vorgelegt wurde.

Stendal. " Und was macht der Oberbürgermeister eigentlich ab Mittag ?" Diese ironische Frage konnte sich Hardy Peter Güssau nicht verkneifen, als auf der Sitzung des Hauptausschusses am Montagabend Tagesordnungpunkt 15 aufgerufen wurde : Information über Nebentätigkeiten des Oberbürgermeisters. Die lange Liste umfasst 15 Punkte und reicht von A wie AltOa bis W wie Winckelmann-Gesellschaft. Einige dieser Ämter sind Ehrenämter, andere Nebentätigkeiten, die zum Teil vergütet werden ( siehe Infokasten ).

Für die einzelnen Stadtratsfraktionen, die diese Information denn auch kommentarlos aufnahmen, ist diese Auflistung allerdings kein Anlass zur Beunruhigung. " Wenn man ‘ s aufgelistet sieht, könnte man sich erstmal fragen, ob der Tag des Oberbürgermeisters 30 Stunden hat ", sagte CDU-Fraktionschef Hardy Peter Güssau gestern auf Volksstimme-Nachfrage. " Aber im Detail ist das alles nicht so spektakulär. Es sind wichtige Sachen dabei wie Stadtwerke oder SWG, und vieles gehört zum Amt dazu. "

Einen positiven Aspekt dieses Engagements des Oberbürgermeisters sieht Helga Zimmermann, Vorsitzende der Fraktion Grüne / Linke : " Damit vertritt er die Stadt in vielen Gremien und bekommt so ja auch wichtige Einblicke. Und das kann nur gut sein. Die Mitgliedschaft im Bühnenverein zum Beispiel hat ihm, denke ich, einen ganz anderen, eine positiven Blick auf unser Theater ermöglicht. " Dennoch würden die Fraktionen natürlich ein Auge darauf haben, dass durch die Nebentätigkeiten keine Interessensvermischungen stattfinden.

Für SPD-Fraktionschef Reiner Instenberg stellt sich auch weniger die Frage nach Interessenskonflikten als vielmehr die nach der Belastbarkeit : " Ich persönlich würde es für mich bedenklich sehen, so viele Nebentätigkeiten ausüben zu müssen. Aber da muss jeder seine persönliche Belastbarkeit selbst einschätzen. "

Die scheint bei Oberbürgermeister Klaus Schmotz robust zu sein. Er selbst sieht seine Zusatzämter recht gelassen : " Das ist machbar und muss machbar sein. Zumal die meisten dieser Tätigkeiten mit dem Amt des Oberbürgermeisters verknüpft sind oder ich durch Verfügungen und Beschlüsse verpflichtet wurde ", sagte Klaus Schmotz gestern der Volksstimme. " Ich könnte jetzt auch nichts nennen, was entbehrlich wäre. Es hat alles, bis auf einen Punkt, mit Stadtentwicklung zu tun. " Zudem tagten viele dieser Gremien nur einmal im Jahr. " Wenn mein Amt aber darunter leiden würde, dann müsste ich natürlich konsequent sein. "

Und wie man an Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit sieht, geht da noch was : Der bringt es nämlich auf 19 Nebentätigkeiten.