Die Zusammenarbeit zwischen Lehre und Praxis soll allen Beteiligten Nutzen bringen. Im Fall der Kooperation des Berufsbildungswerks Stendal ( BBW ) mit der Hochschule Magdeburg-Stendal ist das so, schätzen beide Seiten ein. Im zurückliegenden halben Jahr erforschten Studenten den Grad der Zufriedenheit der Berufsschüler. Von Reinhard Opitz

Stendal. Wie zufrieden sind die Schüler des Stendaler Berufsbildungswerks – mit ihrer Ausbildung, mit deren materiellen Bedingungen, mit ihrem Leben im Internat, mit dem Essen ? An detaillierten, wissenschaftlich fundierten Kenntnissen über den Zufriedenheitsgrad seiner Zöglinge ist das BBW in hohem Maße interessiert. Für den Studiengang Rehabilitationspsychologie der Hochschule eine willkommene Gelegenheit, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden.

Enge Kontakte pflegen beide Einrichtungen schon seit 2008. Studentengruppen besuchen das BBW, sahen sich die berufliche Rehabilitation im Bildungswerk, das benachteiligten und behinderten Jugendlichen eine berufliche Chance bieten will, aus der Nähe an, lernten die Konzepte der Mitarbeiter kennen. Die BBW-Geschäftsführung berief Prof. Dr. Matthias Morfeld vom Studiengang Rehabilitationspsychologie in den Beirat des BBW.

" Doch im Sommer vergangenen Jahres bekam diese Kooperation einen neuen Stellenwert ", schätzten BBW-Geschäftsführer Gunter Wittig und Prof. Morfeld gestern in einer Pressekonferenz ein. Das BBW hatte der FH vorgeschlagen, gemeinsam ins Qualitätsmanagement einzusteigen und den Zufriedenheitsgrad der Berufsschüler zu ermitteln. Eine Gruppe von acht Studenten des dritten und fünften Bachelor-Semesters entwickelte zusammen mit dem BBW einen Fragebogen und legte ihn mehr als 100 der gegenwärtig 286 Jugendlichen der Bildungseinrichtung an der Werner-Seelenbinder-Straße vor.

Die Ergebnisse des Projekts liegen jetzt vor, Matthias Morfeld übergab sie gestern an Gunter Wittig.

Zufrieden ? Nun ja ... " Die Schüler bewerteten die Qualität ihrer Ausbildung, die Abläufe in der Bildungseinrichtung und die sonstigen Bedingungen durchgängig mit mittleren bis guten Noten ", sagte Morfeld gestern. Ausbaufähig sei ihrer Meinung nach die Privatsphäre, etwa im Internat. 50 Prozent von ihnen würden das BBW weiterempfehlen.

Mit dieser Größenordnung könne und werde seine Einrichtung umgehen, lautete die erste Reaktion von BBW-Geschäftsführer Wittig. Obwohl auf Momentaufnahmen basierend, enthalte die Studie belastbare Daten. Wittig : " Wir werden jetzt versuchen, Verbesserungspotenzial zu finden. " Nicht so leicht veränderbar seien jedoch die baulichen Bedingungen des BBW, die den Jugendlichen nur begrenzt die gewünschten Rückzugsmöglichkeiten bieten könnten.

Eine Alternative könnten Wohnformen außerhalb des Internats bieten. Wie Verwaltungsleiter Bernd Fische berichtete, habe das BBW zum Beispiel einen Bauernhof in Krusemark angemietet und das Hotel Eden an der Uenglinger Straße in Stendal gekauft. Letzteres soll, voraussichtlich bis Mitte dieses Jahres, zu einem Praktikumshotel für das BBW ausgebaut werden, in dem die Jugendlichen auch die Wäschepflege für das Bildungswerk selbst erledigen werden.

Schon eingesetzt hat der Lernprozess in der Küche des BBW. " Ich muss jetzt oft chinesisch essen, weil die Jugendlichen sich das wünschen ", erzählte Fische schmunzelnd.

Weil die Zusammenarbeit mit der Hochschule weitergehen, die Zufriedenheitsbefragungen regelmäßig wiederholt werden sollen, unterzeichneten Wittig und Morfeld gestern einen Kooperationsvertrag. In Vorbereitung ist auch die Gründung eines Instituts für Versorgungsforschung an der Hochschule mit dem Arbeitsfeld Dienstleistungen im sozialen Bereich.