Traditionell nutzen die Parteien den letzten Tag des Karnevals für eine Abrechnung mit dem politischen Gegner. Bei der ostaltmärkischen CDU und der SPD war diese Seite des politischen Aschermittwochs-Geplänkels weniger ausgeprägt. Geprägt war das eher vom bevorstehenden Landtagswahlkampf, in dem sich beide Seiten schon jetzt als Sieger sehen.

Stendal / Osterburg. Auch wenn ‘ s der Karnevalsausklang war : Um zur Begrüßung seines Ehrengastes am Mittwoch den Narrhallamarsch intonieren zu lassen, floss dann doch nicht genügend närrisches Blut in den Adern des Stendaler CDUKreisvorstands. So schritt Reiner Haseloff, seines Zeichens Wirtschaftsminister und stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, kurz nach 19 Uhr zu den Klängen des Marinemarschs " Gruß an Kiel " durch die Reihen derer, die im " Schwarzen Adler " sowohl seine Rede als auch den politischen CDU-Aschermittwoch mit Freibier und Blasmusik genießen wollten.

Wolfgang Kühnel, CDUKreisvorsitzender, versuchte den musikalischen Auftakt als Offerte an die schwarz-gelb geführte Kieler Landesregierung zu verkaufen. Schon der erste Hinweis auf die Richtung, in die sich die auf Wahlkampf einschießenden Christdemokraten in Sachsen-Anhalt bewegen wollen ? Das ließ Kühnel offen. Woran er keinen Zweifel ließ : Die Christdemokraten in Ostund Westaltmark sowie im Jerichower Land ( Vertreter aller drei Kreisverbände saßen im Saal ) sehen in Reiner Haseloff den künftigen Ministerpräsidenten einer auch nach dem 20. März 2011 CDU-geführten Landesregierung.

Der zumindest streckenweise etwas karnevalslaunige Haseloff präsentierte sich bereit, Böhmers Erbe anzutreten. Nach derzeit unvermeidlich scheinenden Seitenhieben auf Westerwelle und die " Klientelpolitik der FDP " kam er wahlkämpferisch zu dem Schluss : " Was das Land nach 20 Jahren nicht mehr braucht, sind Umstürze oder Systemwechsel. " Die Wahl im März 2011 werde " über das Schicksal des Landes für Jahrzehnte entscheiden ... Sachsen-Anhalt steht vor der Alternative, einen CDU-Mann an der Spitze des Landes zu haben oder einen Kommunisten ". Dass und warum letzteres eher Katastrophe als Alternative wäre, wusste Haseloff wortgewandt und faktenreich zu begründen.

Um " harte Fakten statt irgendwelcher Konferenzen " ging es dem christdemokratischen Spitzenmann auch, als er einige Wege " Raus der Krise " – so der Arbeitstitel seiner Rede – für die Altmark aufzuzeigen versuchte. Ganz wichtig aus seiner Sicht ist das klare Bekenntnis der Region zur A 14, denn wer die ablehne, stelle die Zukunft der Altmark in Frage. " Wer Umweltschutzklagen gegen die A 14 initiiert, wer die fast fertigen Planungen immer wieder in Frage stellt, handelt gegen die Interessen der Menschen in der Region ", sagte Haseloff. Gegen diese Interssen wäre es auch, im Arneburger Gewerbegebiet " grünes Gras wachsen zu lassen ", so der Wirtschaftsminister zum Thema Industrieansiedlungen. Ob das ein Kohlekraftwerk sein müsse, darüber könne man ja geteilter Meinung sein, aber : " Wir brauchen Lösungen für Arneburg, auch wenn es da so viele Alternativen nicht gibt. " Tenor : Die Zukunft der Altmark sind ihre Kinder, von denen es hier weit mehr gebe als im Landesdurchschnitt. Und für diese Kinder müssen Arbeitsplätze geschaffen werden, die sie in der Region halten.

Die altmärkischen Christdemokraten quittierten das mit viel Applaus, und einem Steuerrad, dass der Stendaler Landtagsabgeordnete Hardy Peter Güssau Haseloff schenkte. Möge er damit Kurs halten, jetzt und ab März 2011 als Kapitän auf der Kommandobrücke Sachsen-Anhalts.

Bergmann sieht Bullerjahn ganz vorn

Dass die Sozialdemokraten ganz andere Vorstellungen haben, was die politischen Führungsfiguren nach den 2011 er Landtagswahlen angeht, liegt auf der Hand. Sie trafen sich zu ihrem Polit-Aschermittwoch zeitgleich im Osterburger Hotel " Zum Kanzler ".

SPD-Kreisvorsitzenden Ralf Bergmann fasste es als rheinische Frohnatur aus der Bütt heraus in Reime. Zu Jens Bullerjahn als Finanzminister auf der einen und Spitzenkandidaten auf der anderen Seite fiel ihm ein : " Mit diesen beiden werden wir – ihr werdet ‘ s sehen – als Sieger aus den Wahlen geh ‘ n. " Reimemderweise widmete er sich auch lokalen Themen ( Gefängnisschließung in Stendal ) und bundespolitischen Brennpunkten ( Gesundheitsreform oder Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers ). Das Besondere am 2010 er Aschermittwoch der SPD war der erstmals vergebene Karnevalsorden für Stammgäste, verdiente Büttenredner oder geschichtlich Bewanderte. So wie für Jürgen Schlafke aus Uchtspringe, der wusste, was es mit der Medaillen-Aufschrift " Düffeldoffel " auf sich hat.

Düffeldoffel soll der sozialdemokratische Fraktionsführer im Bundestag, Herbert Wehner, vor vielen Jahren einmal zu einem politischen Konkurrenten gesagt haben. Weil der Bundestagspräsident und offenbar auch kein anderer mit dem Wort etwas anfangen konnte und keine Beleidigung vorlag, entging der streitbare Politiker einem Rauswurf.

Schlafke war der einzige in der Runde, bei dem der Groschen fiel.