Das aktuelle Politgeschehen von der Kommunal- bis zur Bundesebene aufs Korn zu nehmen, ist seit je Anliegen des politischen Aschermittwochs. Auch die Linken lassen sich diese Gelegenheit zu genüsslichen Seitenhieben nicht nehmen und luden am Mittwoch ins Landratsamt. Auf die spritzig-witzigen und selbstironischen Einlagen à la Paschke und Kunert aber musste das Publikum verzichten.

Stendal. Katrin Kunert als Schwester Agnes, Dr. Helga Paschke als Patient Politik oder als Putzfrau des Landtags – das sind Aschermittwochsstandards der Vorjahre, die das Publikum der Veranstaltung am Mittwoch erwartungsfroh wohl auch im Hinterkopf hatte. Auf beide aber mussten die Gäste im großen Saal des Landratsamts verzichten : Katrin Kunert weilt derzeit im olympisch-euphorischen Vancouver, und Helga Paschke – die eigentlich den Abend mit einem wesentlichen Programmpunkt bereichern sollte – machte ein malader Zahn zu schaffen.

Einen Komplettausfall bedeutete das aber nicht, und das Publikum des Aschermittwochs der Linken musste sich auch nicht mit Würstchen und Pfannkuchen als kulturelle Highlights zufrieden geben. Denn was wären denn die Linken, wenn sie nicht aus jeder Situation etwas zu machen wüssten ...

Und so war Mario Blasche, Kreisvorsitzender und bekennender Faschingsmuffel, sicher erleichtert, den Büttenplatz an John Völtzke abgeben zu können. Der war nach Bekanntwerden der Krankmeldung von Landtagsabgeordneter Paschke in die kreative Bresche gesprungen und hat – gesegnet mit karnevalistischer Erfahrung aus dem Klädener Narrenverein – am Morgen noch schnell eine Rede zusammengereimt. Seinen Posten als DJ verließ er frohen Mutes, eine Hand noch am Regler : " Nun ist ja keiner weiter hier, muss ich mir meine Einmarschmusik selber spielen. "

Spätestens von da an hatte er das Publikum auf seiner Seite, von der es während seiner Aschermittwochsrede auch nicht mehr wich. Zumal es ja nach jedem Vers gefordert war, den Reim zu vollenden. So schallte es mehrfach und mit größer werdender Begeisterung durch den Raum : " Wir wissen das – wir sind die Guten. "

In sympathisch-heiterer Weise streifte er durch den Parcours politischer Entscheidungen und Diskussionen des vergangenen Jahres : vom Thema Kinderarmut über das Steinkohlekraftwerk, das Haushaltskonsolidierungskonzept bis zum Wahlsommer und schließlich dem 60. Geburtstag von Linke-Fraktionsvorsitzendem Günter Rettig.

Vom Lokal- und Regionalgeschehen ging es dann mit Barbara Friedl-Stocks auf die Bundesebene. Ausgestattet mit reichlich Erfahrung als Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten, nennt sie sich heute Lebensberaterin und tritt als Kabarettistin auf. Wie nebenbei tippt sie die großen politischen Themen der Bundesrepublik an und trifft mit ihren zuweilen sarkastisch-bissigen Bemerkungen genau ins Schwarze.

Sich selbst und ihre füllige Gestalt nimmt sie nicht aus und heimst damit die Sympathie des Publikums ein, wenn sie zum Beispiel von der der Abschreckung dienenden Etikettierung von Zigarettenschachteln mit Bildern geschädigter Lungen übergeht zur Warnung vor zu viel und zu ungesundem Essen : " Dann müssten die in der EU aber auf jede Bockwurst ein Bild von mir draufkleben. "