Zethlingen. Am Anfang – genau gesagt vor 20 Jahren – stand eine kleine Veranstaltung am Fuße des Zethlinger Mühlenbergs, die als Experiment in Sachen Eisenherstellung eigentlich für Fachpublikum gedacht war. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Areal immer weiter, wurde zur Langobardenwerkstatt Zethlingen und lockte als solche in der Saison 2009 knapp 5000 Besucher an. Lothar Mittag, zuständiger Mitarbeiter der Museen des Altmarkkreises, blickt zurück.

Dass der Zethlinger Mühlenberg eigentlich ein Friedhof war, wusste bereits Johann Friedrich Danneil. " Er hat um 1820 dort schon gegraben ", sagt Lothar Mittag. Allerdings war noch nicht klar, wessen Überreste die dort gefundenen Urnen enthielten. Danneil habe für das Volk der Wenden plädiert. Karl Gaedcke, Lehrer am Salzwedeler Jahngymnasium, der Danneils Ausgrabungen fortsetzte, bevorzugte die Germanen. " Die These, dass es sich um die Langobarden handele, stellte der Landesdirektor der Museen, Oskar Förtsch, 1905 auf ", so Mittag weiter. Und der Stendaler Archäologe Freidank Kuchenbuch habe die Gräber in seiner Dissertation in den 1930 er Jahren auf die späte römische Kaiserzeit datiert.

Ende der 1950 er Jahre begann in Zethlingen ein intensiver Kiesabbau. " Die Urnen purzelten da nur so heraus ", rekapituliert Lothar Mittag. Als allein bei Ausgrabungen des Kantenbereichs durch Wissenschaftler der Universität mehr als 250 Urnen gefunden wurden, sei der Kiesabbau 1962 gestoppt und der Mühlenberg unter Denkmalschutz gestellt worden.

Bis 1992 fanden alljährlich Ausgrabungen statt, " immer für zwei Wochen im Sommer mit ehrenamtlichen Helfern ", erinnert sich Lothar Mittag.

1990 gaben ein Besuch im Archäologischen Zentrum Hitzacker und das Miterleben von Verhüttungsversuchen den Ausschlag. " Das wollten wir auch versuchen. " Schließlich war bereits 1979 ein Verhüttungsplatz am Fuß des Mühlenbergs entdeckt worden. Zum Fachpublikum, Metallurgen aus Freiberg, Bodendenkmalpflegern und Studenten, gesellten sich auch einige Neugierige. " Ich weiß bis heute nicht, woher die das wussten ", sagt Lothar Mittag schmunzelnd. Ein Jahr später fand das erste Werkstattwochenende statt, das erste Haus wurde gebaut.

Anfangs suchten sich die Aktiven, zu denen auch Rosemarie Leineweber zählte, die damals im Danneilmuseum tätig war, immer wieder Verbündete : den damaligen Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Reck etwa oder Ernst Lübke, den früheren Bürgermeister von Zethlingen. Der stellte das heutige Werkstattareal damals zur Verfügung, und ist heute immer noch Mitglied des Fördervereins, der 1994 gegründet wurde. Erster Vorsitzender war der damalige Beigeordnete Dr. Hans-Heinrich Jordan. Heute hat der Förderverein 46 Mitglieder, sein Vorsitzender, der Geschichtsdozent Dr. Eckart Frey, ist seit 1999 dabei. Der Förderverein biete vielfältige Möglichkeiten des Engagements, sei es die Arbeit mit Kindern oder wissenschaftliche Forschung. Mehrmals im Jahr ziehen sich die " Hobby-Langobarden " weiße Gewänder über und vermitteln so unmittelbare historische Eindrücke, backen, kochen, weben und musizieren wie einst bei die alten Germanen. " Wir wollten von Anfang an die damaligen Tätigkeiten zeigen ", erklärt Lothar Mittag. Deshalb steht in Zethlingen heute kein zweites Freilichtmuseum, sondern eben eine Werkstatt.

In den zurückliegenden Jahren habe sich auf dem Mühlenberg einiges geändert, auch dank der Kooperation mit der Agentur für Arbeit. Weitere Häuser kamen hinzu. Der Maschendrahtzaun wich einem Palisadenzaun. Die Verwaltungsgemeinschaft Altmark-Mitte verabschiedete sich mit einem Hochspeicher. Der Altmarkkreis stattete 2008 sein Museum mit einer behindertengerechten Toilette aus. Die Langobardenwerkstatt verzeichnet steigende Besucherzahlen, " an manchen Tagen mehr als 300 Kinder ", so Lothar Mittag.

Er hofft auf ein " Geburtstagsgeschenk " in Gestalt eines Zuwendungsbescheides des Landes für den Umbau des Ausstellungshauses. Dort soll eine ständige Schau über die Langobarden eingerichtet werden, sodass sich Besucher auch ohne Führung über dieses Volk informieren können.