Noch keinen Schulabschluss ? Noch keine berufliche Perspektive, noch keine Ahnung, wie es weitergehen soll ? Die Berufsbildende Schulen I und II in Stendal haben am Sonnabend ihre Türen geöffnet, um genau jene Perspektiven zu bieten – vom Schulabschluss, über den Beruf bis hin zur Fachhochschulreife – auf technischen Feldern wie der Metall- oder Holzverarbeitung, der Elektrotechnik und auf wirtschaftlichem wie gesundheitlichem Gebiet.

Stendal. Cora Müller hatte noch schnell eine Idee. Ihren Stand " Gestaltungstechnische Assistenz " ließ die Berufsschullehrerin der Stendaler Berufsbildenden Schule I von zwei ihrer jungen Schützlinge illustrieren. Sie brachten ein Bild einer Mitschülerin aus dem laufenden Jahrgang. " Das Thema lautete Winterlandschaft ". Stefanie Weichert hat es auf ihrem Öl-Bild gekonnt umgesetzt. Fortan zierte ihr kleines Werk an diesem Sonnabendvormittag Cora Müllers informatives Messe-Umfeld.

Hier erklärte sie Interessierten Jugendlichen und Eltern, wie Bewerber für das kreative als auch technische Fach in den Genuss einer Ausbildung und damit eines Berufsabschlusses kommen. " Diese Richtung ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden und somit sehr gefragt. " Es sei sowohl künstlerisch wie technisch anspruchsvoll ; dennoch würde man, erläutert Lehrerin Müller, den Spielraum schon einschränken. " Dass nun jeder glaubt, er könne machen, was er will, dem ist nicht so. "

Die Bewerber müssen ihre Kreativität belegen können. Das kann mit Zeichnungen oder anderen Dingen wie Fotos oder Entwürfe sein ; eben eine Mappe mit ersten Arbeiten.

24 Schüler werden pro Jahrgang zugelassen in diesem Fach mit dem Schwerpunkt Grafik Design. Und nach zwei Jahren wären die Schüler dann eben jene Grafik-Designer, welche durchaus einen hohen Marktwert besäßen in der Berufswelt draußen vor den Toren der Schillerstraße in Stendal.

Einen solchen Tag der offenen Tür geben die Stendaler Berufsbildenden Schulen I ( für die gewerblich-technischen Richtungen ) und II ( für Wirtschaft, Verwaltung, Gesundheit, Ernährung und Hauswirtschaft ) einmal im Jahr. Und sowohl Jörg Hagge als auch Lothar Bätz, die beiden Schulleiter, zeigten sich mit der Resonanz zufrieden. " Natürlich kommen keine 1500 Jugendlichen mehr hierher wie noch vor fünf Jahren ", sagt Bätz, " doch in der Partnerschaft mit den Schulen sind wir auf einem guten Weg. " Wie beispielsweise mit ihrer Präsenz auf Elternabenden in Seklundarschulen oder anderen Bildungseinrichtungen. " Wir verabreden aber auch Anruftermine. Die Werbung für unsere Ausbildungsplätze läuft das ganze Jahr über ", ergänzt Bätz ‘ Kollege Hagge.

Am Sonnabend kamen dann doch um die 300 bis 400 Interessenten. Mit Blick auf die geburtenschwachen Jahrgänge sei das ein hoffnungsvolles Ergebnis. Dennoch : In den vergangenen drei Jahren sank die Schülerzahl um 600. Für 2011 rechnen Hagge und Bätz noch einmal mit einem Rückgang um 200 Schüler. " Danach wird es leicht besser ", sagt Bätz, ohne dabei euphorisch zu werden. Vor fünf Jahren lernten an die 2500 Berufsschüler an beiden einrichtungen ; jetzt sind es 1600. Besonders im Baubereich wie Straßenbau oder bei den Dachdeckern, sagt Bätz, werde es schwieriger, Bewerber in den nächsten Jahren zu bekommen.

Hagge wie Bätz wollen dennoch mehr. Beispielsweise attraktiver werden. Mit ihrer neu eingerichteten Lehrküche ist ein Schritt in diese Richtung getan. " Uns steht hier eine große, helle, übersichtliche und praktische Küche zur Verfügung ", schwärmt Ausbilderin Ute Priegnitz von dem neuen Fachraum mit angrenzendem Restaurant. Und Bätz auch : " Das ist ein Schmuckstück. "