Stendal ( ro ). Da der " Eingriff " in ihre Armbanduhr denn doch einen Tag dauert, hätte die Kundin bis morgen ohne Zeitmesser auskommen müssen. Aber nicht bei Uhrmachermeister Claus Gross. Er öffnet eine Schublade und fischt aus einer größeren Ansammlung eine Damenuhr heraus.

Ein Service der alten Schule, den der Stendaler seit Jahrzehnten pflegt. Sein Uhren- und Schmuckgeschäft in der Bismarckstraße existiert seit 1961. Gestern überreichte Oberbürgermeister Klaus Schmotz dem Uhrmachermeister eine von der Verlagsgruppe " markt intern " vergebene Urkunde als " Deutsches Traditionsgeschäft ", verbunden mit dem Prädikat " Perle des Fachhandels ".

" Claus Gross bietet seit Jahrzehnten mit Fach- und Sachkunde Dienstleistungen in der Stadt an, hat hier einen guten Namen und gehört einfach zum Stadtbild ", fasste Schmotz in seinem Glückwunsch die Gründe für die Auszeichnung zusammen.

Der aus Salzwedel stammende Claus Gross hatte 1953 bis 1956 Uhrmacher gelernt und 1960 als einer der Jüngsten in der DDR die Meisterprüfung bestanden. 1961 – nachdem er die Hürde Gewerbegenehmigung genommen hatte – übernahm er den Laden eines in den Westen gegangenen Bäckers in der Bismarckstraße. Dort repariert und verkauft er noch heute Uhren. " Heute heißt das vor allem : Batterien wechseln ", bedauert er. Doch er hat auch Kunden aus nah und fern, zum Teil bis nach Hamburg, die von ihm den schönen, vom Großvater geerbten Regulatur wieder zum Laufen bringen lassen. Der 70-Jährige hofft, das noch etliche Jahre tun zu können.