Mit dem Schnee kämpfen auch die Abfallentsorger in Stendal. Wegen schlecht geräumter Straßen und Zufahrten kann der Müll in diesen Tagen nicht vollständig abtransportiert werden. Sonderschichten und Überstunden sind die Folge.

Stendal. Pulverschnee, so weit das Auge reicht. Überall tollen die Kinder im weißen Vergnügen und freuen sich, mit dem Schlitten die Abhänge hinunterrodeln zu können. Doch hinter dem weißem Traum der letzten Wochen verbirgt sich nicht nur märchenhafte Winterromantik. Glatte Straßen, schlecht geräumte Wege und zweistellige Minusgrade bringen im Alltag einiges durcheinander.

So auch im altmärkischen Entsorgungsalltag : Derzeit haben einige Bürger rund um Stendal Probleme mit dem Abtransport ihrer Müllsäcke, Container und Tonnen. Grund dafür sind schlecht passierbare Wege und Zufahrten und hohe Schneeberge am Straßenrand. Das bestätigen auch die beiden Fahrer des Müllwagens von Hauptentsorger ALBA, mit denen die Volksstimme am Dienstagvormittag unterwegs gewesen ist.

Sebastian Polländer und Norbert Szibrowski sind mit ihren grauen Einsatzfahrzeug in Stendal-Nord auf Tour. Auch dort bietet sich dasselbe Bild : Es türmen sich die Schneemassen am Fahrbahnrand und machen ein Durchkommen zu einer Fahr- und Rangierkunst. Zudem gleicht die Fahrt in einigen Bereichen einer Schlitterpartie. " Wir versuchen natürlich, jeden Container zu entleeren. Aber der festgefahrene Schnee und die schweren Tonnen machen es uns nicht leicht ", erklärt Fahrer Sebastian Polländer. Ein weiteres Problem sei festgefrorener Müll in den Tonnen. " Auch das verärgert die Bürger. Es kann vorkommen, dass wir den Müll nur zur Hälfte entleeren können und ein Rest in der Tonne bleibt ", sagt Polländer. " Bei diesen Witterungsverhältnissen sind alle Müllfahrzeuge im Einsatz. Überstunden gehören dazu, und so wird aus einem Sieben-Stunden-Tag mal eben ein Zehn-Stunden-Arbeitstag. "

Gunda Tanne von der Abfallentsorgungsgesellschaft ALS kennt die Sorgen. " Die Bürger sind verärgert. Aber wir können momentan nicht viel ändern. Die Stadt Stendal ist für die Schneeräumung verantwortlich, nicht wir ", erklärt sie. " Die ALS ist lediglich ein Unternehmen, welches die Entsorgung koordiniert, aber nicht die Spuren des Winters von den Straßen und Zufahrten beseitigt. Die Müllfahrer versuchen mit viel Mühe, die Container über die Schneeanhäufungen oder durch die engen Schleusen zu schieben, aber oft ist der hohe Schnee unüberwindbar. "

Mit dem Wetter haben Sebastian Polländer und Norbert Szibrowski bereits unterschiedliche Erfahrungen sammeln können. " Ich bin jetzt im vierten Jahr dabei und habe so etwas noch nicht erlebt. Das ist mein erster harter Winter und auch das erste Mal, dass wir Probleme mit den Tonnen haben ", berichtet Polländer.

Ganz anders Kollege Norbert Szibrowski. Der Tangerhütter hat in seiner zehnjährigen Berufserfahrung schon einige chaotische Winterszenarien durchlebt, aber dieses Mal : " So wie in den letzten Wochen war es schon lange nicht mehr ", bestätigt er die Ausnahmesituation. Abschließend wünschen sich beide mehr Verständnis von den Bürgern. " Wir geben unser Bestes, aber irgendwann ist man am Ende des Möglichen angelangt ", meint Sebastian Polländer.

Mit diesem Wunsch auf dem Herzen und jeder Menge Arbeit vor sich verabschieden sich die Fahrer schließlich in einen schneereichen Nachmittag.