Stendal. Die Technik des Bronzegusses hat sich seit ihrer Erfindung über die Jahrtausende hinweg nahezu erhalten. Einen informativen Überblick gab dazu am Dienstag im Winckelmann-Museum Dr. Gerard Seiterle aus der Schweiz.

Sind die frühesten Bronzen aus der Zeit um 900 vor Christus noch gehämmert oder getrieben, so setzte sich in der Folgezeit der Guss als Gestaltungsmittel mehr und mehr durch. Die Oberflächen wurden, wie auch heute noch, durch Ziselieren oder Gravieren veredelt.

Das Ziselieren geschieht mit Hammer und feinen Meißeln, graviert wird durch Abziehen des Materials mittels feiner Nadeln. Auffällige Stellen der Figuren wie Augenbrauen, Augen und Lippen wurden besonders behandelt. Augenbrauen belegte man mit Kupfer oder Silber, die Augen wurden durch Edelsteine möglichst natürlich gestaltet.

Die antiken Großfiguren entstanden in mehreren Teilen, die bis zum heutigen Tag anschließend aneinander gelötet und so vereint werden. Ihre Oberfläche gestalteten die antiken Künstler oft durch Blattgoldauflagen oder Goldanstriche. Geschah das nicht, wurde die Figur poliert und auf Hochglanz gebracht, Heute lässt man die alte Patina durch Einwirken bestimmter chemischer Stoffe entstehen.

Über die ursprünglich gestaltete Wachsfigur, die ummantelt wurde, entstand in den durch Erwärmen gegebenen Hohlräumen, aus denen das Wachs ausfloss, die Negativform für den Guss. Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, schmilzt bei 1200 Grad. Nach einem tagelangen Abkühlungsprozess wird die Figur aus der Form herausgeschlagen und von Oberflächengraten befreit. Gravurfeinarbeiten sind Techniken letzter Hand an den Skulpturen für die fertige Bronzeplastik.

Abschließend lief für die Besuchern ein Informationsfilm zum Bronzeguss. Diesen hatte Dr. Seiterle in einer modernen Gießerei mit rekonstruierten Technikmethoden für das Gießverfahren drehen lassen.