Mehrfach bereits hat die Volksstimme über Gewässerpreise berichtet : Nicht allein über Gebührenbescheide im Centbereich, die von der Stadt verschickt worden sind. Auch darüber, wenn die Gebühren gestiegen sind oder wenn sich Grundstückseigentümer über der Höhe beschweren. Hans-Ulrich Klante, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Uchte, erklärt, was die Unterhaltung von altmärkischen Gewässern von der in anderen Regionen unterschiedet.

Stendal. Die Gewässerbeiträge von Grundstückseigentümern sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Im Jahr 1992 lag der Satz noch bei 3, 07 Euro pro Hektar, im Jahr 2006 lag er bei 9 Euro, im vergangenen Jahr bei zwölf Euro pro Hektar. Zum Vergleich : Im südlichen Sachsen-Anhalt ist der Beitragssatz im Jahr 2008 auf 6, 65 Euro für das Gebiet um Braunsbedra festgelegt worden. Doch auch in benachbarten Gebieten sind die Preise noch längst nicht bei den zwölf Euro im Einzugsgebiet der Uchte angelangt.

Hans-Ulrich Klante ist der Geschäftsführer des Unterhaltungsverbands Uchte und erklärt die hohen Gebühren im Raum Stendal mit der besonderen Geographie der Region : " Sie müssen bedenken, dass es hier im Gebiet keine natürlichen Fließgewässer gibt. " Nach der Eiszeit haben sich in der Region sumpfige Seen entwickelt, aus denen das Wasser nicht abgeflossen ist.

Erst der Mensch hat im Mittelalter mit der Urbarmachung der Altmark für Abfluss gesorgt : In Kanälen und Gräben. Selbst die Uchte sei in ihrem heutigen Verlauf kein natürlicher Fluss, der sich aus eigener Kraft freispült, wie das bei den meisten anderen Flüssen der Fall ist.

" Ganz klar ist natürlich : Die Pflege von künstlichen Gewässern ist ungleich aufwendiger und damit auch teurer als die von natürlichen Gewässern ", so Klante. Und dass die Pflege der altmärkischen Gräben und Kanäle notwendig ist, daran lässt der Unterhaltungsverbands-Geschäftsführer keinen Zweifel : " Der Hochwaserschutz ist ja gesetzlich vorgeschrieben. Wir sind zu den Arbeiten also verpflichtet. " Arbeiten : Das bedeutet vor allem, die Durchlassfähigkeit der Gewässer abzusichern.

In der Altmark mit nur wenig Gefälle und den künstlichen Fließen bedeutet das vor allem : entkrauten. Denn angesichts der vielen Nährstoffe, die in den vergangenen Jahrzehnten in die Gräben gespült worden sind und die teils bis heute ins Wasser gelangen, sprießen die Wasserpflanzen ab dem Frühjahr üppig.

So üppig, dass ohne menschliches Zutun die Gräben bald dicht wären und die Altmark wieder in ihren Urzustand des zwölften Jahrhunderts als Gebiet sumpfiger Seen zurückkehren würde, erklärt Klante. Und : es handelt sich um Verlandungspflanzen. Denn die Altmark ist ein trockenes Gebiet mit gerade einmal der Hälfte der Niederschlagsmengen vom Schwarzwald.

Entkrautung zu spät

Die Folge sind schwankende Wasserstände, bei denen sich eben jene Pflanzenfamilie besonders wohl fühlt. Beispiel für die Wasserknappheit sei das größte Gewässer im Einzugsgebiet selbst – die Uchte : In heißen Sommern sei es oft vorgekommen, dass die größte Menge des Wassers hinter der Stadt Stendal aus der Kläranlage der Stadt stammt – und gar nicht aus dem natürlichen Wasseraufkommen in der Uchte.

Aus Sicht des Fachmanns werde heute zuweilen viel zu spät mit den Entkrautungsarbeiten begonnen. Bis die Nährstoffe der vergangenen Jahrzehnteabgebautundfortgespült sind, wird es wohl noch Jahrzehnte dauern. Dass dennoch die bei den Entkrautungsaktionen aus dem Wasser geholten Pflanzen einfach am Ufer liegen bleiben und dort wieder Nährstoffe freigeben, die nur zum Teil mit den nächsten Regengüssen Richtung Elbe und Nordsee weggeschwemmt werden, ist allein eine Kostenfrage. Klante : " Wenn wir das Kraut noch mitnehmen würden, wäre das Ganze noch viel teurer. " Denn der Abtransport von Material sei angesichts des oft unwegsamen Ufers am Rande der Gräben und Flussläufe sehr aufwendig.

In den vergangenen Jahren ist übrigens mit der Renaturierung von Gewässern ein Schritt getan worden, um den Aufwand zur Gewässerpflege ein wenig zu verringern. Denn beispielsweise mit den neuen Sohlschwellen an den Fließgewässern wird deren biologische Qualität und damit auch die Kraft zur Selbstreinigung erhöht.