Hell erstrahlt er seit Sonntagvormittag – der neue, alte Kapitelsaal des Stendaler Doms. Bei einer Feier zu ihrem zehnjährigen Geburtstag machte sich die Stendaler Stadtgemeinde selbst ihr schönstes Geschenk.

Stendal. In einer langen, beinahe endlosen Prozession zog die Gemeinde gestern vormittag ein. Im neugestalteten und aufwendig sanierten Kapitelsaal des Stendaler Doms kamen die gut 180 Besucher und Gemeindeangehörigen an ihrer künftigen Stätte für Begegnungen zusammen. Dazu sangen sie immer wieder ihr " Laudate omnes gentes"– ein Loblied an Gott, ein Dank für das Erschaffene.

Man feierte, und das gebührend in tiefer Dankbarkeit und Demut gegenüber allen, die ihr Werk und ihren Anteil an diesem neuen, alten Saal im Dom gehabt haben ; von den Handwerkern über die Geldgeber aus Kirche, dem Land, dem Bund, der Lotto-Toto-Gesellschaft bis hin zu jedem Einzelnen der Gemeindemitglieder, ohne die der Kapitelsaal kaum in dieser Form je wiedererstanden wäre.

" Unter dem Segen Gottes ist dieser Saal nun hell erleuchtet, und das gibt viel Hoffnung für den Fortgang der Bauarbeiten an diesem wunderschönen Gebäude ", sagte Superintendent Michael Kleemann in seiner Ansprache. Visionen von einst seien hier Realtität geworden, bekräftigte Gemeindekirchenratsvorsitzender Detlef Frobel. Wünsche sind von der Wirklichkeit vollendet worden. Der Saal zeige " erste, große, sichtbare Ergebnisse der umfangreichen Sanierungen des Doms ", fügte Frobel an. Mit seiner nunmehr zehn Jahre alten Stadtgemeinde Stendal nahm er diesen Raum wieder voll in Besitz. " Es ist wertvoll, wenn sich die Gemeinde hier wieder versammelt. "

Zu diesem hohen Moment der Wiedereinkehr brachte jene Gemeinde ihre ganz besonderen, persönlichen Gaben und Insignien für den neuen Altar mit : eine Tischdecke, die gleichermaßen das Grabtuch Jesu Christi symbolisiert wie auch die Unterlage für das Abendmahl darstellt, Altarkerzen mit der Osterkerze als zentralem Lichterschein, ein Kelch und der Hostienteller für das Abendmahl, die Taufschale, ein Holzkreuz, Blumen, die das Leben verkörpern und die Bibel als das Wort Gottes. Höhepunkt der Weihe wurde dann jenes heilige Abendmahl, das in einer Prozession begangen wurde ; so viele der anwensenden Gäste wollten es feiern.

Wie viel der neue Kapitelsaal mit seiner Gemeinde gemein hat, betonte Domprobst Christoph Hackbeil, der mit zwei Mönchen – dargestellt von Josephine Schulze und Michaela Quast – die Bedeutung von Gemeinschaft und der Welt bekräftigte. Hier im Kapitelsaal treffe man sich zum Gottesdienst, und gleichzeitig besinne man sich auf das Wesentliche im Menschen : Vernunft, Wachsamkeit und den Austausch der Meinungen – besonders im Kapitelsaal würde das gelingen. Denn jenes Wort Kapitel würde von " Caputh " – Kopf – hergeleitet. " Kapitellum " – " Köpfchen " – habe es einst geheißen. Und nun stelle der Kapitelsaal das " Köpfchen " dar ; und " Köpfchen " sei nunmal nötig im Leben der Menschen.

Ab 2007 waren erste Fördermittel für die Sanierung des Kapitelsaals geflossen. Im November 2008 begannen dann die konkreten und aufwendigen Arbeiten an dem großzügigen Raum. Alles wurde herausgeräumt. Nun also konnte wieder eingeräumt werden. " Es ist ein Schmuckstück geworden ", sagte Frobel, der einen besonderen Dank an Wolfgang Richter und seine Frau richtete, ohne deren Engagement vieles kaum realisierbar gewesen wäre. Ein erste Etappe für die Vollendung der Domsanierung ist vorerst erreicht – mit viel geäußerter Dankbarkeit.