Im Internatsgebäude an der Industriestraße in Stendal betreibt Axel Schuchardt seit einem reichlichen halben Jahr ein Kinder- und Jugendheim mit heilpädagogischer Ausrichtung. Seine nüchterne Bilanz nach sieben Monaten : " Der Start war erfolgreich, aber eine Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt gibt es de facto nicht. "

Stendal. Die Wohnbedingungen im Kinderheim " Ambivalenz " sind augenscheinlich hervorragend : sieben großzügige Wohnbereiche für sieben Kinder, jedes Zimmer mit eigenem Bad, gemeinschaftliches Wohnzimmer mit Fernseher, Schach- und anderen Spielen, Freizeitraum mit Tischtennisplatte, Dartscheibe und Kickerautomat. Besucher beim gestrigen Tag der offenen Tür, darunter Lehrerinnen aus der Comeniusschule, waren beeindruckt : " Zimmer und Ausstattung sind toll. Das haben viele Kinder zu Hause nicht. "

Für ein hohes Niveau der Betreuung legt Inhaber und Heimleiter Axel Schuchardt für sich und sein fünf Mitarbeiter zählendes Team die Hand ins Feuer. Der geborene Stendaler ist ausgebildeter Erzieher mit heilpädagogischer Zusatzausbildung. Mitte der 80 er Jahre in den Westen gegangen, sammelte er jahrelange Erfahrungen als stellvertretender Heimleiter in Wesel am Niederrhein. " 2008 trieb mich das Heimweh nach Stendal zurück ", sagt er. Mit organisatorischer und materieller Unterstützung seines Jugendfreundes Hans-Jürgen Sellent, Mitinhaber des " Schwarzen Adler ", eröffnete er im Juni vergangenen Jahres auf anderthalb Etagen im Edeka-Internatsgebäude an der Industriestraße ein Kinder- und Jugendheim. Der renommierte Psychologe und Buchautor Dr. Andreas Dutschmann sorgt für die psychologische Betreuung im Haus.

Doch Schuchardt hat Sorgen. Von den sieben Heimplätzen sind nur zwei belegt. Und die beiden 12 und 13 Jahre alten Jungen, die die Comeniusschule besuchen, wurden ihm vom mehr als 500 Kilometer entfernten Jugendamt Emmerich in Nordrhein-Westfalen zugewiesen. " Eine Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Landkreises Stendal gibt es de facto nicht ", beklagt der Heimleiter. Ihm sei von Anfang an nur Ablehnung entgegengeschlagen mit der Begründung : " Kein Bedarf !"

Schuchardt versteht die Gründe nicht. " Ohne Qualitätsabwägung, ohne mit dem Team zu beraten, ohne Kostenkenntnis, ja, ohne jegliches inhaltliches Wissen wurde dieses Angebot kategorisch abgelehnt ", behauptet er. Und er rechnet vor : " Bei voller Auslastung unserer derzeitigen Kapazität würde der Landkreis im Vergleich zu anderen Heimen im Jahr 65 500 Euro sparen. " Schuchardt erwartet keine Bevorzugung, sondern " eine faire Behandlung vom Landkreis ". Hier sei " mit sehr viel Sachverstand etwas aufgebaut, sind Arbeitsplätze geschaffen worden ", sagte OB Klaus Schmotz gestern. Er werde alles tun, Schuchardt und sein Team zu unterstützen.

Kreisjugendamtsleiterin

Katrin Müller, von der Volksstimme angesprochen, will sich in der morgigen Ausgabe zu dem Thema äußern.