Stendal. Wie sehr Musik jung zu erhalten vermag, kann man am lebenden Beispiel von Chris Barber studieren. Im April 1930 geboren, steht er heute noch als Bandleader zusammen mit seinen Musikern auf der Bühne und zelebriert Musik aus den Südstaaten der USA : den Dixieland. Seit den 50 er Jahren hält er an dieser Tradition fest, hat inhaltlich seine Truppe fast nicht verändert und erlangte mit ihr weltweit Anerkennung. Die Kooperation von Musikerfabrik und Theater Altmark hat mit dem Engagement dieses Vollblutmusikers am Mittwoch einen bisher unerreichten Glanzpunkt in der Reihe " Jazz im Theater " erreicht. Schon mit den ersten Takten der " Bourbon St. Parade " und dem " Party Blues " sprang der Funke seiner Musik von der Bühne über auf das Publikum und riss bis zum umjubelten Finale mit " When the Saints " nicht wieder ab.

Der typische Rhythmus und die instrumentale Besetzung mit Saxophon, Trompete, Posaune und Rhythmusgruppe schwingen in jeder Melodie mit. Das ebenso bekannte Ruf-Antwort-Schema im Blues, aus dem heraus die wie Ping-Pong-Bälle hin und her fliegenden Melodiethemen zwischen den Instrumentengruppen im Block oder solo improvisiert werden, ist in der Chris-Barber-Band zum unüberhörbaren Markenzeichen geworden.

Über die Jahrzehnte hinweg hat der Engländer seinen Stil ungebrochen gepflegt und begeistert heute noch damit. Er selbst beherrscht die Jazzposaune, ist am Bass kein Laie und verfügt über eine dem Genre angepasste Singstimme, wenn er etwa selbstsicher zusammen mit seinen Musikern behauptet : " We need it !" Ja, man nimmt ihm ab, dass er diese Musik braucht, die den fast 80-Jährigen jung erhält, wenn er zum Beispiel selbst am Bass zusammen mit Banjo und Klarinette seinen Dixie-Sound aufbaut und nach und nach die Band einbezieht. Wie professionell jeder einzelne auch als Solist auftreten kann, dafür mag Zoltan Sagi stehen, dessen Klarinettensolo zu Beginn von " Petit fleur " im Saal atemlose Stille aufkommen ließ, die sich schließlich in stürmischem Jubelbeifall Bahn brach. Natürlich konnte mit dem offiziellen Programmende noch nicht Schluss sein. Als Zugabe musste unter Publikumsbeteiligung noch " Ice Cream " herhalten.

Das Gastspiel ist vorüber. Seine zündenden Rhythmen, die professionellen Improvisationen, die Vitalität des ungealtert erscheinenden Chris Barber bleiben noch lange im Gedächtnis.