Stendal ( fe ). Es kam einem Befreiungsschlag gleich. In jenen Januartagen 1990 feierte die Redaktion der Volksstimme – also auch in Stendal – die Unabhängigkeit. Das mag heutzutage selbstverständlich klingen ; für damalige Verhältnisse war es ein Wechsel auf die Zukunft.

Man schüttelte die Bevormundung durch die Obrigkeitspartei SED und den ihr unterstehenden Staat ab und nannte sich künftig unabhängige Tageszeitung – Ende der Hörigkeit, Ende einer Zwangsehe.

Jene Selbstverständlichkeit ist ein herausragendes wie hervorstechendes demokratisches Merkmal – unabhängig als Zeitung agieren zu können, löste die inneren Fesseln einer Unterwürfigkeit. Und gleichzeitig wird klar ; unabhängig zu sein ist nie ein Zustand mit einem erreichten Ende, sondern ein Prozess, den Medien jeden Tag neu gestalten – bei der Stendaler Volksstimme seit 20 Jahren.

Die Redakteure hier vor Ort hatten sich in der Wendezeit 1989 / 90 viel von den Bürgern anhören müssen und das zurecht. Und gleichzeitig öffneten sie die Redaktion für die Sorgen der Menschen, ihrer Leser, wie es in der Kolumne damals hieß. Nur mit einer so umwerfenden Resonanz von draußen hatte man weniger gerechnet : " ... wir haben jeden der 37 zum Teil sehr umfangreichen Briefe sorgfältig gelesen und versprechen, dass keiner vergebens geschrieben wurde. " Mehr neue Offenheit und Unabhängigkeit gab es zuvor selten bis gar nicht.