Stendal. " Schön ist er ja, der Winter in diesem Jahr ", hört man immer wieder Kollegen und andere Leute sagen. " Wenn er bloß nicht so viel Arbeit machen würde. " Viele Haus- und Grundstücksbesitzer haben nach tagelangen Schneefällen ihre liebe Not, die zusammengeschobene weiße Pracht unterzubringen. Auf der Straße ? Auf dem Gehweg ? Zwischen den am Straßenrand parkenden Autos ? Alles keine Lösungen. Freiflächen und aufnahmebereite Mulden, zu denen die Stadtverwaltung rät ( Volksstimme von gestern ), sind im dicht bebauten Stadtgebiet Mangelware. Und wer will sich schon haufenweise Schnee von der Straße aufs Grundstück holen, der dann wochenlang nicht abtaut und, wenn er ‘ s denn tut, viel Dreck hinterlässt.

Gestern beseitigten Bauhofmitarbeiter die Schneeberge auf dem Marktplatz und transportierten sie auf Freiflächen. " Wir bemühen uns, jetzt auch in Nebenstraßen tätig zu werden ", sagte Stadtsprecherin Sybille Stegemann gestern auf Anfrage. Ob die Stadt jedoch in der Lage sein werde, in großem Stil bereits angehäufte Schneeberge abzubauen, sieht sie eher skeptisch : " Das wäre ein Riesenaufwand. Wir müssen schauen, was wir schaffen. "

Sylvia Bittner aus Möringen hat einen Vorschlag, wo der Bauhof nach dem Marktplatz als Nächstes großflächig aktiv werden könnte. " Ich pendle täglich zwischen Möringen und Berlin zur Arbeit ", schreibt sie. " Vom Wohnort nach Stendal nutze ich das Auto und ab da den Zug. Beide Pendlerparkplätze sind in einem nicht befahrbaren Zustand. Gestern habe ich den Parkplatz Bahnhofstraße genutzt und heute den an der Lüderitzer Straße. Beide eine Katastrophe. Nicht mal die Fahrstraßen auf den Parkplätzen haben einen Schneepflug gesehen. " Sylvia Bittners Erwartungen an die Stadt sind nicht von der Hand zu weisen : " Meine Heimatgemeinde Möringen ist seit dem 1. Januar nach Stendal eingemeindet. Stendal erhält nun auch meine Steuergelder, und ich erwarte, dass die Stadt auch etwas für die Pendler aus den Umlandgemeinden tut. Wie sollen wir sonst zur Arbeit kommen ?"

Lieber im Land, wo

die Zitronen blühen

Scheinbar gelassen trägt Stendals großer Sohn auf dem Winckelmannplatz die kalte weiße Last. Wer ihm jedoch tief in die Augen schaut, dem dürfte eine gewisse Verstimmung nicht entgehen. Schneeund Eislandschaften waren nie seine Welt. Winckelmann fühlte sich im Land, wo die Zitronen blühen, immer viel wohler als in seiner kalten Heimat.