Am Abend des 14. Dezember brannte das Haus von Hildegard und Artur Jörke in Grassau völlig nieder. Das betagte Ehepaar verlor sein gesamtes Hab und Gut.

Grassau. Montagabend, nach 21 Uhr. Hildegard Jörke ( 76 ) hat im Küchenofen Holz nachgelegt und schaut noch einmal hinüber zum Stall. Als sie zurückkehrt, qualmt es aus ihrem Wohnhaus. Sie verständigt Ehemann Artur ( 81 ), der sich in der Wohnstube aufhält. Schnell werden aus dem Qualm Flammen, die sich in Windeseile ausbreiten. Die Eheleute Jörke sehen zu, dass sie das Haus verlassen. " Durch den Qualm habe ich kaum noch Luft bekommen ", erzählt Artur Jörke. Die zwei jungen Hunde in der Wohnstube vermag er nicht mehr zu retten. Auch das Telefon ist nicht mehr zu erreichen, deshalb will Artur Jörke mit dem Auto nach Grassau fahren, um die Feuerwehr zu verständigen.

Von der einsamen Hofstelle des Rentnerehepaares am Wirtschaftsweg zwischen Grassau und Schartau sind es etwa zwei Kilometer bis nach Grassau. Doch der Autoschlüssel liegt ebenfalls im brennenden Haus. Artur Jörke, nur mit Socken an den Füßen, schnappt sein Fahrrad und fährt nach Grassau, wo Familie Ladewig die Feuerwehr verständigt.

Als die Feuerwehren eintreffen, ist das Gebäude bereits nicht mehr zu retten. " Wir haben alles verloren ", stehen Hildegard und Artur Jörke tags darauf vor den Resten ihres Wohnhauses. Die 76-jährige ist auf dem elterlichen Hof geboren und aufgewachsen. Bis 1900 war hier eine Ziegelei, 1911 hatten die Eltern von Hildegard Jörke die Hofstelle gekauft. Zum Glück griff das Feuer nicht auf die Nebengebäude über. Auch den Hühnern und Enten, die Jörkes halten, ist nichts passiert. In der Nacht hatte Bürgermeister Dieter Klapötke die Eheleute Jörke mit dem Auto zur Tochter nach Bittkau gefahren. Nach Mitternacht war er wieder in Grassau zurück. Bis auf leichte Verletzungen haben Hildegard und Artur Jörke keine gesundheitlichen Schäden davongetragen. Am Dienstag ging es zunächst einmal zur Hausärztin. " Wir hatten ja keine Medikamente mehr ", erzählt der 81-jährige. Die Eheleute haben alles verloren, ihr gesamtes Hab und Gut, Haus und Hof. " Wir wissen nicht, wo wir unterkommen ", sagt Hildegard Jörke. Ihre Hauptsorge ist, eine neue Bleibe, eine Wohnung zu finden. Ehemann Artur will auf jeden Fall täglich die Hofstelle aufsuchen, um die Tiere zu versorgen.

" Wenn Familie Jörke in Grassau bleiben möchte, werden wir sie natürlich unterstützen ", erklärt Grassaus Bürgermeister Dieter Klapötke. Die Wohnungen der Gemeinde sind zwar seit vier Wochen komplett vermietet, Klapötke ist sich aber sicher, dass bei Bedarf eine Wohnung für Jörkes im Ort zu finden sei. Was den Hausrat angeht, so wird das gesamte Dorf so gut es geht das Ehepaar Jörke unterstützen, ergänzte der Bürgermeister.