Stendal. Eine weiß eingedeckte Tafel, Blumen darauf, Kaffeegedecke und Teller mit Adventsgebäck. Dass sich der " Sitzungsraum 06 " im Altbau des Stendaler Landratsamts am Mittwochnachmittag festlich präsentierte, war den Gästen geschuldet, die Landrat Jörg Hellmuth erwartete : Acht überwiegend junge Frauen und Männer, die fast ausnahmslos vor acht Jahren aus den verschiedensten Ländern in der Hoffnung nach Deutschland gekommen waren, hier eine neue Heimat zu finden.

Ein Wunsch, dem sie alle in der Folgezeit mit dem Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft Ausdruck verliehen. Landrat Hellmuth beglückwünschte sie zu dieser Entscheidung und ganz besonders dazu, dass er ihnen – nach der eine gewisse Zeit in Anspruch nehmenden Bürokratie und deutschen Gründlichkeit – an diesem Tag ihre Einbürgerungsurkunden überreichen konnte.

Ein Augenblick, den Elvira Kreker mit feuchtem Glanz in den Augen erlebte. 1938 wurde sie im kasachischen Kotschubejewskoje geboren und kam 2001 im Zuge der Familienzusammenführung nach Deutschland. Seit vier Jahren lebt die Rentnerin – die Älteste in dieser Runde – in Stendal.

Die jüngste " Dame ", die am Mittwoch per Urkunde bescheinigt bekam, Deutsche zu sein, ließ den feierlichen Akt mit neugierig auf den sie " anflirtenden " Landrat geheftetem Blick aus großen, dunklen Augen über sich ergehen. Erst, als Jörg Hellmuth ihr die " Aktion " mit einem Stückchen Baumkuchen zu versüßen suchte, meinte man, ein Lächeln über das Gesicht des Mädchens huschen zu sehen. Ein Dankeschön brachte Hevi, so ihr Name, noch nicht über die Lippen, was dem Mädchen niemand übelnahm. Hevi ist gerade einmal fünf Monate alt und eine waschechte Stendalerin. Kader Alkis, Hevis Mutti, wurde vor 21 Jahren in der Türkei geboren und kam als 13-Jährige mit ihrer Mutter und drei jüngeren Geschwistern als Asylbewerberin nach Deutschland. Nach der Hauptschule wurde sie Altenpflegerin. " Es ist aber schwer, in Stendal eine Arbeit zu finden ", sagte sie auf die entsprechende Frage des Landrats. " Dranbleiben ", macht er der jungen Frau Mut. Auch ihre Geschwister saßen in der Runde der Eingebürgerten. Die Brüder Bilal und Ramazan besuchen noch die Berufschule, lassen sich zum Kaufmann für Bürokommunikation beziehungsweise Physiotherapeuten ausbilden. Das jüngste der Geschwister, die 18-jährige Sirin, besucht das Wirtschaftsgymnasium. " Nach dem Abitur möchte ich studieren, Betriebswirtschaft, vielleicht aber auch Jura, " blick sie zuversichtlich in die Zukunft.

Über die hat sich der achtjährige Mantej Sing noch keine großen Gedanken gemacht. Er kam 2004 mit seiner Mutter Kamaljit Kauer nach Deutschland, ein Jahr nachdem diese in ihrer Heimat im nordindischen Rattanheri ihren deutschen Ehemann geheiratet hatte. Mantej geht in die dritte Klasse, Lieblingsfach Sport. Auch er ließ sich vom Landrat zu einem Stückchen Baumkuchen einladen. " Ganz schön süß, aber schmeckt gut ", kommentierte Mantej die neue Geschmachserfahrung.

Aus Syrien stammen Mariadin Omar und Ridwan Omar, lebten dort allerdings bis 2001 als Staatenlose. Am Mittwoch endete für die 31-jährigen Produktionshelferin und den 18-jährigen Berufsschüler die Staatenlosigkeit. Ihr nächster Weg wird sie zum Stendaler Einwohnermeldeamt führen. In ihren neuen Ausweisen wird stehen : " Staatsangehörigkeit DEUTSCH ".