Zum Leserbrief " Christliche Wurzeln ins Bewusstsein rücken " vom 1. Dezember :

Zum jounalistischen Bildungsauftrag gehört auch das Gebot, die Realität so treffend wie möglich abzubilden. Realität ist, dass das, was Superintendent Kleemann als " christliche Wurzeln " bezeichnet, tatsächlich eine Episode der Menschheitsgeschichte ist, die glücklicherweise wegen Bildung und Aufklärung langsam ausklingt. Wir wissen heute, dass die von der christlichen Religion beanspruchten Werte bereits vor Erfindung der Religion von Menschen gelebt wurden und von ihnen auch nach Verschwinden der Religion gelebt werden.

Statt also Obsoletes fortzuschreiben, sollten wir lieber Dingen gedenken, die für unser künftiges Leben von fundamentaler Bedeutung sind. Dazu gehören Freiheit, Familie, friedliches Zusammenleben, einvernehmliches Sozialverhalten, kollektives Denken, Wissen, Bildung und Aufklärung.

Wir müssen zudem aufpassen, dass diese Werte in unserer Kultur erhalten bleiben und nicht wieder durch Religionskulturen verdrängt werden.

Um diese unsere Existenzgrundlage mehr im Bewusstsein der Leute zu verankern, brauchen wir auch entsprechende Gedenk- und Feiertage, wie zum Beispiel " Tag der Bildung und Aufklärung ", " Tag der Befreiung von Religion ", " Tag des kollektiven Denkens " und im Dezember " Monat der Familie ".

Als freier Mensch würde ich gern etwas weniger Kirchenkalender und -rituale in meinem Alltagsleben sehen. Denn Religionsfreiheit endet dort, wo sie andere Freiheitsrechte einschränkt. Wir sind eine Demokratie, keine Theokratie !

Ulf Hamann, Stendal