Salzwedel. Weitsicht haben die Salzwedeler Stadtväter im Mittelalter bewiesen, als sie den Stadtwald anlegten. 1400 Hektar Wald, vornehmlich Rotesche, in dem Moorgebiet am Rande der Hansestadt. Ein Kapital, das sich nach jahrzehntelanger Vernachlässigung im Zeitalter des Klimawandels auszahlen kann. Denn jährlich könnten rund 1000 Festmeter Energieholz gewonnen werden, ohne die Reserven anzugreifen, hat Stadtförster Wulf Ohlmeyer ausgerechnet. Mittels eines Blockheizkraftwerkes könnte so die Schwimmhalle beheizt werden und das jährliche Defizit für die notwendige Bewirtschaftung des ökologisch wertvollen Erlenbruchwaldes von derzeit 130 000 Euro jährlich in einen schwarze Null verwandelt werden. Der Vorteil : Die Eschen wachsen immer wieder nach und sind nach 20 Jahren erntereif. Zugleich sorgt die ständige Vernässung dafür, dass Kohlendioxid im Moorkörper gebunden bleibt, der sonst im trockenen Zustand jährlich je Hektar bis zu 30 Tonnen Kohlendioxid freisetzen würde.

Eine Machbarkeitsstudie für das Projekt liegt seit zweieinhalb Jahren vor. Doch noch steht der Grundsatzbeschluss des Stadtrates für die 2, 4 Millionen Euro teure Investition aus, schilderte Salzwedels Marketingamtsleiter Olaf Meining gestern vor rund 40 Vertretern der bundesweit 25 Bioenergieregionen, zu denen auch die Altmark gehört.

Die Exkursion zum Stadtwald und zum Bioenergiedorf Tangeln – 90 Prozent der Haushalt beziehen ihre Wärme von einer Biogasanlage – gehören zum praktischen Teil des dreitägigen Workshops im Salzwedeler Landratsamt. Die wirtschaftliche Nutzung des Stadtwaldes, die energetische Verwertung von Grünschnitt an Gräben und Straßenrändern am Beispiel Seehausen und die Modernisierung von 20 Biogasanlagen sind die drei Ziele, die sich die Altmark im Rahmen des Wettbewerbes Bioenergieregionen des Bundeslandwirtschaftsministeriums gestellt hat. Bis zu 400 000 Euro können dafür bis zum Jahr 2012 bereitgestellt werden.

Während des von der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe organisierten Workshops steht das Thema Netzwerke im Zentrum. Die Altmark kann da als Region durchaus punkten, stellte gestern Salzwedels Landrat Michael Ziche bei der Begrüßung der Bioregionen-Vertreter fest. Seit Jahren kooperieren beide altmärkischen Kreise und besitzen mit dem Regionalverein ein Instrument für die gezielte Förderung von Projekten. Das Vorhaben Stadtwald stieß bei den Workshop-Teilnehmern auf großes Interesse. Denn es bietet die Möglichkeit, Natur- und Klimaschutz sowie Ökonomie unter einen Hut zu bringen.