Im kommenden Jahr wird sich die Finanz- und Wirtschaftskrise auch spürbarer auf den Arbeitsmarkt auswirken. Davon ist Marina Kermer, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Stendal, überzeugt. Allerdings : Die Arbeitsagentur steuert dagegen. Eines ihrer wichtigsten Instrumente ist das Kurzarbeitergeld.

Stendal. Der Monat November hat wohl die Wende eingeleitet. Erstmals war die Zahl der neu gemeldeten Arbeitslosen höher als die Zahl der abgemeldeten. Eine über Monate positive Entwicklung auf dem altmärkischen Arbeitsmarkt scheint beendet zu sein, wenngleich im November die Zahl der gemeldeten neuen freien Stellen mit 452 um 13 Prozent höher lag als im November 2008.

Die Wirtschaftskrise hat den hiesigen Arbeitsmarkt erreicht. Aber verhalten, wie Marina Kermer einschätzt. " Dank der kleingliedrigen Wirtschaft der Region ", so Kermer. Die hiesigen Unternehmen seien in der Lage, sich schneller umzuorientieren.

Im bundesweiten Beschäftigungs-Regionalmonitor wird die Altmark als eine Region mit geringem Beschäftigungsrisiko, sprich Arbeitsplatzverlust, eingeordnet. Damit das so bleibt, hat die Arbeitsagentur Stendal beizeiten für das Instrumentarium des Kurzarbeitergeldes geworben.

220 Beschäftigte

qualifiziert

Seit Jahresanfang habe es rund 500 Beratungen dazu gegeben, schilderte Marion Emmer, in der Arbeitsagentur für das operative Geschäft zuständig. Zudem ist rechtzeitig zum Jahresanfang neben Stendal auch in Salzwedel ein Arbeitsgeberservice eingerichtet worden. Die Firmen haben reagiert. Sind im Jahr 2007 noch 286 Anzeigen zur Kurzarbeit gestellt worden, waren es in diesem Jahr bereits 431. Insgesamt 6476 Beschäftigte sind davon betroffen. Das sind fast zehn Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten der Altmark.

Vor allem im Landkreis Stendal nutzen Firmen das Kurzarbeitergeld, um wirtschaftliche Durststrecken infolge rückläufiger Aufträge ohne Kündigungen zu überstehen. Für etwa 220 Beschäftigten war beziehungsweise ist die Kurzarbeitszeit Qualifizierungszeit.

Im Rahmen des Programms zur Fachkräftesicherung haben Beschäftigte vor allem Schweißer- und Gabelstaplerlehrgänge besucht. Betroffen von der Krise ist vornehmlich das verarbeitende Gewerbe, so Unternehmen der Metallbranche. Auch in der Bauindustrie hab es bei den Stellenangeboten im ersten Halbjahr einen leichten Rückgang gegeben, doch seit dem dritten Quartal ist die Entwicklung gegenläufig. " Es werden Auftragszuwächse prognostiziert ", erklärte Marion Emmer. Die Umsetzung des Konjunkturpaketes II der Bundesregierung zeigt auch in der Altmark erste Wirkungen. Relativ stabil seien die Zeitarbeitsfirmen.

Höchster Pendlerquote in Sachsen-Anhalt

Nicht unerheblich für den altmärkischen Arbeitsmarkt dürfte die wirtschaftliche Entwicklung in Wolfsburg, Magdburg, Hannover, Potsdam und Uelzen sein. Denn 23 577 so genannte Auspendler sind im vergangenen Jahr gezählt worden. Knapp 1000 mehr als 2007. Die Altmark hat die höchste Zahl an Pendlern in Sachsen-Anhalt. In die Region pendelten im vergangenen Jahr 6953 Frauen und Männer zur Arbeit in die Altmark. Die niedrigste Quote in Sachsen-Anhalt. Das Saldo von Einund Auspendlern beträgt 16 624. Zusammen mit der Zahl der Arbeitssuchenden, 27 984 im November, wird deutlich, wie viele Arbeitsplätze in der Altmark noch gebraucht werden, sollte es Vollbeschäftigung in der Region geben : rund 44 600.