Schon im März berichtete die Volksstimme über den bevorstehenden Abriss des Bertram-Speichers hinter dem Gertraudenstift. Der große Backsteinbau mit dem markanten Stufendach steht noch immer. Doch jetzt scheinen die letzten Tage des einst unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes gekommen zu sein.

Von Reinhard Opitz

Stendal. So einmalig die Achitektur des um 1900 errichteten ehemaligen Saatgutspeichers auch ist – dass die markante Erscheinung aus der Stendaler Dachlandschaft verschwinden wird, ist nicht mehr abzuwenden. Wie schon im März dieses Jahres berichtet, liegt dem Eigentümer die Abrissgenehmigung seit langem vor. Und der Speicher wäre auch schon gefallen, wenn die Denkmalbehörden nicht noch Dokumente gefordert hätten.

Der Abbruch des Bertram-Speichers sei im Juli 2007 mit der Auflage genehmigt worden, eine Bestandsdokumentation über das Gebäude zu erstellen, teilt die Referatsleiterin der oberen Denkmalschutzbehörde im Landesverwaltungsamt, Maren Stüwe, auf Anfrage der Volksstimme mit. Die Dokumentation liege " nach einigen Nachbesserungen inzwischen vor und wird zurzeit vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie fachlich begutachtet ". Erst danach könne der Speicher zum Abbruch freigegeben werden. " Dies wird voraussichtlich noch in diesem Jahr sein ", heißt es abschließend in der Antwort der oberen Denkmalbehörde.

Aus Sicht der Referatsleiterin ist der Abriss dieses Denkmals gerechtfertigt. " Der Genehmigungsanspruch ergab sich aus der glaubhaft dargelegten wirtschaftlichen Unzumutbarkeit des unveränderten Erhalts ", heißt es im Amtsdeutsch der Behörde.

" Sobald wir die Freigabe haben, wird der Abrissauftrag erteilt ", sagt Gerhard Dreier, der sich für die Firma Altmark-Hausgeräte seines Sohnes Dag Dreier, der das Grundstück gehört, um den Speicher kümmert. Seine Familie habe sich zusammen mit der Stadt Stendal lange um eine andere Lösung bemüht. Zuletzt habe man mit einer Drogeriekette verhandelt. Der Plan : Diese mietet langfristig die jetzigen Geschäftsräume der Firma an der Scharnhorststraße, und die eigene Firma zieht in den Speicher. Doch die Verhandlungen, so Dreier, seien gescheitert. Gute Ratschläge, sagt er, habe er viele bekommen, zum Beispiel eine Brauereigaststätte einzurichten. Doch diese in Stendal mit Aussicht auf Erfolg zu realisieren, sei seiner Meinung nach utopisch.

So wird demnächst freies Bauland sein, wo heute noch der Speicher steht. Was daraus wird, weiß Dreier im Moment noch nicht. " Wir werden versuchen, es zu verkaufen. Wenn das nicht gelingt, könnte ich mir vorstellen, dass wir eine Wohnanlage mit acht bis zehn Bungalows bauen. "