" Haute-Lisse-Malerei " ist der so einfache wie komplizierte Titel einer Ausstellung, die seit Sonntag im Altmärkischen Museum zu sehen ist. Die Berlinerin Gisela Schmidt-Teetz gibt einen Einblick in ihr Werk und damit in ein seltenes Genre der Kunst.

Stendal. Auch ein Museumschef kann nicht alles wissen. Und mit seinem Geständnis, erst einmal im Internet nachgeschaut zu haben, was sich denn hinter dem Begriff " Haute-Lisse-Malerei " verbirgt, dürfte Frank Hoche bei so manchem Vernissage-Besucher für innere Erleichterung gesorgt haben. Denn Haute-Lisse-Malerei ( französisch, sprich : Oht-liss ) ist ein Kunstgenre vergangener Jahrhunderte, das durchaus ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Mit der am Sonntag im Altmärkischen Museum eröffneten Ausstellung von Gisela Schmidt-Teetz ist dazu ein erster Schritt getan.

Haute-Lisse bezeichnet einen Hochwebstuhl, auf dem die Kettfäden längs aufgespannt sind. Die Technik, mit der die Farbfäden eingearbeitet werden, ist der Weberei verwandt, aber nicht mit ihr identisch. Bei der Haute-Lisse-Wirkerei werden die gefärbten Schussfäden nur bis zum Rand der vorgegebenen Farbfläche hin- und zurückgewirkt, während bei der Weberei die Schussfäden durch die gesamte Webebreite von einer Kante zur anderen gezogen werden.

Der Ursprung dieser Technik liegt im 15. Jahrhundert, als die Färberfamilie Gobelin bei Paris eine Wollfärberei anlegte und mit dem textilen Kopieren von Gemälden zu Berühmtheit gelangte. Die Teppiche, sogenannte Gobelins, dienten zur Bekleidung von Wänden oder Möbeln.

Auch Gisela Schmidt-Teetz, Jahrgang 1942, nimmt sich für ihre Tapisserien die Malerei zu Hilfe. Kleine Aquarelle fertigt sie als Vorlage an, um sich dann der langwierigen Arbeit am Hochwebstuhl zu widmen – für einen Quadratmeter braucht sie im Schnitt vier Wochen. Die Frage, warum sie denn nicht mal ihre Aquarelle ausstelle, erübrigt sich damit : " Das sind nur ganz kleine Entwürfe, die während der Arbeit noch weiterentwickelt werden. Das eigentliche Werk aber sind die Haute-Lisse-Malereien. " Malen mit textilem Material – so bezeichnet sie ihre Kunst, auf die sie erstmals während ihres Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Berlin aufmerksam wurde. " Ich benutze viele verschiedenfarbige Fäden und mische sie auf dem Webstuhl, so wie man die Farben auf einer Palette mischt. "

Im Altmärkischen Museum Stendal sind ihre Arbeiten noch bis 6. Januar zu sehen.