Stendal. Die Deutsche Bahn hat die hoffnungsvollen Pläne zur baldigen Sanierung und Verlängerung des Bahnsteigtunnels auf dem Stendaler Hauptbahnhof weiter in die Zukunft verschoben. Allerdings soll der Tunnel, so wie er heute ist, demnächst barrierefrei gestaltet werden. Wie Bahnsprecher Jörg Bönisch der Volksstimme auf Anfrage sagte, werde der Tunnel in den nächsten beiden Jahren mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket des Bundes mit drei Aufzügen ausgestattet.

Die Aufzüge werden am Tunneleingang auf dem Hausbahnsteig 1 sowie an den Bahnsteigen 2 / 3 und 4 / 5 gebaut. Außerdem soll das Bahnsteigdach 2 / 3 in gleicher Weise wie zuvor das Dach über Bahnsteig 4 / 5 erneuert werden, kündigte Bönisch an. Der Bahnhof erhält auch eine neue digitale Fahrgastinformationsanlage mit moderner LED-Technik. Die frei programmierbare Anlage biete, so der Bahnsprecher, wesentlich mehr Möglichkeiten als bisher, den Bahnkunden etwas mitzuteilen. " Das reicht weit über die Zugabfahrtzeiten hinaus bis hin zu guten Wünschen wie ‚ Frohe Weihnachten ‘", erläutert Bönisch.

Für diese drei Vorhaben stellt der Bund 1, 6 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket I zur Verfügung. Die Bahn will sie 2010 und 2011 realisieren.

Von der zusammen mit der Stadt Stendal und der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt ( Nasa ) geplanten Sanierung des Bahnsteigtunnels und der Verlängerung bis zur Lüderitzer Straße ist in diesem Zusammenhang noch nicht die Rede. Bönisch : " Dafür wären die Mittel aus dem Konjunkturprogramm nicht auskömmlich. " Sanierung und Durchstich in Richtung Süden könne man auch später noch in Angriff nehmen.

Oberbürgermeister Klaus Schmotz betrachtet das Vorgehen der Bahn mit gemischten Gefühlen. " Dass jetzt die Aufzüge gebaut werden sollen und der Bahnhof damit barrierefrei wird, ist erst mal gut ", sagte er gestern der Volksstimme. Dass damit aber die geplante Tunnelerweiterung nach Röxe " ein Stück weit nach hinten geschoben " wird, sieht er weniger positiv. In der sogenannten Kreuzungsvereinbarung zwischen Deutscher Bahn, Nasa und Stadt Stendal habe es geheißen, diese Pläne würden in einem Schritt verwirklicht. Davon nimmt die Bahn jetzt Abstand. Das Stadtoberhaupt betont : " Wir halten an dem Projekt fest und werden die Deutsche Bahn regelmäßig und mit Nachdruck daran erinnern. " Die Tunnelverlängerung müsse in den nächsten Jahren passieren.

Nach Prüfung mehrerer Planungsvarianten – darunter auch der Abbruch beider maroder Bahnhofstunnel und Bau eines neuen – hatten sich die Beteiligten für die Sanierung und Verlängerung des vorhandenen Bahnsteigtunnels entschieden. Die zweite Unterführung an der Ostseite soll dann zugeschüttet werden.