Der Eine-Welt-Zirkus aus Weißenfels, der Gebärdenchor des Altmärkischen Gehörlosenvereins Stendal und Kathleen Mennicke sind die Sieger im diesjährigen " Re-Flect " - Wettbewerb. 14 Beiträge zum Thema " Chancengleichheit für alle " standen im Finale. Sie alle zeigten Menschen mit Beeinträchtigungen und deren Bedeutung in der Gesellschaft. Und nicht zuletzt waren es diese Menschen, die das Thema auf die Bühne gebracht haben.

Stendal. Dass es nicht ganz gerecht beim Finale des diesjährigen " Re-Flect " -Wettbewerbs zuging, gestand die Jury höchstselbst dem Publikum vor der Preisverleihung. Doch es ging nicht darum, dass jemand mogelte. Vielmehr sei die Wahl sehr schwer gefallen. Die 14 Beiträge der Endrunde des Kunst- und Kulturwettbewerbs seien kaum zu vergleichen gewesen. " Gerecht wäre es, wenn alle gewinnen würden ", betonte Jury-Mitglied Andrea Wegner, Landesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes Sachsen-Anhalt.

Doch einer musste und sollte schlussendlich gewinnen. Das noch andauernde Projekt des Eine-Welt-Zirkus der Kinderund Jugendhilfe Weißenfels eroberte mit seiner Theaterdarbietung die Herzen der Jury am stärksten und erhielt den mit 500 Euro dotierten Siegerpokal. Zwei Betreuer präsentieren mit einem Dutzend lernbehinderter Kinder ein Theaterstück, das eine Reise um die Welt wird. In Stendal zeigten sie ihren Besuch in Russland und Afrika. Asien, Nordamerika und Australien besuchen sie im Rahmen ihres Projekts an den kommenden Wochenenden. " Natürlich reisen wir nicht selbst dorthin, sondern bereisen die Welt virtuell ", erklärte einer der Betreuer nach der Präsentation.

Platz zwei und damit 300 Euro gewann der Film " Arbeit an der Pforte " von der Medien-AG FiFoKoMo der Halleschen Behindertenwerkstätten. Die AG besteht aus ingesamt neun Behinderten, von denen vier in Stendal mit dabei waren und sich über Rang zwei freuten.

Platz drei und 200 Euro gewannen die Vorjahressieger von der GIW-Wohnanlage Schollene. 16 Bewohner sowie drei Betreuerinnen zeigten eine farbenfrohe Dia-Show. Dreißig Bilder, die die Bewohner in der Natur zeigen, waren auf einer großen Leinwand zu sehen. Passend dazu führten die Betreuerinnen um Simone Bahrs die Bewohner auf die liebevoll dekorierte Bühne im Takt von poppiger Musik. Mit rhythmischem Applaus ging das Publikum mit.

Die größte Überraschung des Abends erlebte jedoch die 17-jährige Kathleen Mennicke. Während ihr Musikclip " Hör nie auf dein Herz " über die Leinand flimmerte, rollte die junge Frau im Rollstuhl auf die Bühne und sang das Lied live weiter. Dies animierte die Jury dazu, ihr einen Sonderpreis zu verleihen. Die Hallenserin konnte sich über 100 Euro und zwei Anfragen für Live-Auftritte im kommenden Jahr freuen. " Das ist der Wahnsinn. Das hätte ich nie erwartet ", sagte Kathleen stolz.

Den Zuschauerpreis ergatterten die Lokalmatadoren des Gebärdenchores " Talking hands " des Altmärkischen Gehörlosenvereins. Sie präsentierten – festlich gekleidet im Frack und mit weißen Handschuhen – " Mein kleiner grüner Kaktus ". " Zugabe, Zugabe ", skandierte da das Publikum. Doch im Rennen um diesen Preis ging es knapp zu. Schließlich wurde nicht demokratisch abgestimmt, sondern die Lautstärke des Applauses entschied über Sieg und Niederlage.

Mit dem " Applaus-O-Meter " konnte Andreas Bredow vom Offenen Kanal Stendal ganze 98 Dezibel für den Gebärdenchor messen. Der damit hauchdünn – 1, 5 Dezibel Vorsprung – die Wertung gewann.