Magdeburg. Die Wände sind noch kahl, doch auf dem riesigen Schreibtisch stapeln sich bereits die ersten Akten : Zeit zum Luftholen hat Jürgen Stadelmann nicht. Seit fast drei Wochen ist der Salzwedeler Christdemokrat Staatssekretär im Landwirtschafts- und Umweltministerium. Der Ruf nach Magdeburg kam " überraschend ". " Ich habe gerade zu Hause Äpfel aufgelesen, als mich Ministerpräsident Böhmer anrief ", schildert Stadelmann.

Für den Salzwedeler ist es ein " gutes Signal ", dass jemand aus der Landtagsfraktion zum Staatssekretär berufen wurde. Stadelmann war zuletzt umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Er sieht in seiner Ernennung noch ein zweites Signal, eines an die Altmark, in der immer mal wieder der Spruch zu hören ist, dass für die Landesregierung Sachsen-Anhalt am Mittellandkanal aufhöre. " Ich bin als Staatssekretär natürlich für das ganze Sachsen-Anhalt zuständig, aber ich bleibe mit Herz und Seele Altmärker ", erklärte der Diplomingenieur für Wasserwirtschaft und Umwelttechnik.

Im Ministerium sei er gut aufgenommen worden. Jetzt heißt es, sich einzuarbeiten. Staatssekretäre halten ihren Ministern den Rücken frei, müssen sich durch Berge von Akten " fressen ".

" Ein Staatssekretär mit dem Sektglas in der Hand ist nur die Spitze des Eisberges ", weiß Stadelmann. Sein Terminkalender ist bereits prallvoll. Die gewöhnlichen Arbeitstage beginnen 6. 30 Uhr beim Einstieg in den Zug nach Magdeburg und enden nicht vor 19. 30 Uhr. Um Kräfte zu schonen – auch wenn während der Bahnfahrt bereits erste Akten durchgearbeitet werden – will Stadelmann sich eine kleine Wohnung in der Landeshauptstadt suchen.

Die altmärkischen Dauerthemen hat Stadelmann natürlich mit nach Magdeburg genommen. Steinkohlekraftwerk Arneburg : " Wir werden keine Investitionen verhindern. " Beim Klimawandel müsse man über die Landesgrenze hinaus schauen, wenn es um die Kohlendioxid-Bilanz gehe.

Pilotprojekt Kohlendioxid-Verpressung bei Mahlsdorf : " Ich bin dafür, das sollte ausprobiert werden. Wichtig ist aber, dass die Sicherheit ganz oben steht. "

Seesanierung Arendsee : " Das ist auf einem guten Wege, die Grundsatzentscheidung ist ja gefallen. 2010 stehen 160 000 Euro für noch notwendige Untersuchungen bereit. 2011 könnte dann die Phase des Planfeststellungsverfahrens sein. "

Übertragung der Bundesflächen des " Grünen Bandes " – der ehemalige innerdeutsche Grenzstreifen – an das Land : " Die Zielstellung ist, das so schnell wie möglich abzuarbeiten, nach Möglichkeit noch in diesem Jahr. Noch sind aber einige Detailfragen zu klären. "

Geplante neue Anlagen der Massentierhaltung : " Die öffentliche Beteiligung muss viel früher erfolgen als bei den Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Es ist mehr Transparenz notwendig. "

Doch das sind nicht die einzigen Felder, die Stadelmann noch in den letzten eineinhalb Jahren der derzeitigen Legislaturperiode beackern wird. Ein Flächenpool für das Kompensationsmanagement, zum Beispiel Schaffung neuer Biotope als ökologischer Ausgleich zum Bau neuer Straßen, die Umsetzung des novellierten Bundesnaturschutzgesetzes in Landesrecht, die Wasserrahmenrichtlinie und die Überführung der neuen Abfallrichtlinie der Europäischen Union in Landesrecht stehen an.

Bleibt da eigentlich noch Zeit für seine Arbeit als Kreistagsmitglied im Altmarkkreis ? Ein klares " Ja " ist die Antwort des 50-Jährigen. Ach ja, CDUStadtverbandschef in Salzwedel, Vize-CDU-Kreisvorsitzender und Vizepräsident der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz Sachsen-Anhalt ist der frischgebackene Staatssekretär ebenfalls.