Zum 22. Mal fand am Wochenende das Abstinenzlertreffen im Fachklinikum Uchtspringe statt. Rund 80 ehemalige Suchtpatienten nahmen teil. Das Treffen diente dem Erfahrungsaustausch und der Motivation, nicht rückfällig zu werden.

Uchtspringe. Rund 80 Teilnehmer kamen am Sonnabend zum mittlerweile 22. Abstinenzlertreffen der Abteilung für Suchtmedizin des Fachklinikums Uchtspringe. Das Treffen der ehemaligen Suchtpatienten, die alle gemein haben, dass sie es geschafft haben, findet alljährlich statt. " Es kommen sowohl Abstinenzler, die seit 20 Jahren trocken sind, als auch ehemalige Suchtpatienten, die es vor einem Jahr geschafft haben ", berichtet die Abteilungsleitende Ärztin Annegret Ankerhold. Zum Teil kommen die Gäste der Veranstaltungen seit Jahren. Ziel ist es, Motivation zu schaffen, Erfahrungsaustausch möglich zu machen und in der Öffentlichkeit bestehende Vorurteile zum Tabuthema Abhängigkeit zu mildern.

Die Veranstaltung begann mit einem Fachvortrag Ankerholds über drogenbedingte Suchterkrankungen. Hintergrund ist, dass die Zahl der von Cannabis, Ecstasy, Heroin oder anderen illegalen Substanzen abhängigen Patienten im Fachklinikum Uchtspringe in den zurückliegenden Jahren deutlich angestiegen ist. " Ein Viertel unserer Patienten konsumierte illegale Drogen. Mein Vortrag soll aufklären und Informationen zur Behandlung liefern ", erklärt die Ärztin im Volksstimme-Gespräch.

Laut Statistik waren im Jahr 2007 zwischen 117 000 und 160 000 Deutsche abhängig von Opiaten. Etwa 45 Prozent von ihnen begaben sich in medizinische Betreuung. Bei Cannabisprodukten, der häufigsten illegalen Drogenart, liegt die Zahl der Konsumenten bei 415 000 bis 810 000, wobei nur um die fünf Prozent den Entzug wählen. Die Zahlen stammen aus der Kriminalstatistik, erklärt die Ärztin. " 20 Jahre nach dem Mauerfall haben sich die Zahlen der Abhängigen illegaler Drogen in den alten und neuen Bundesländern angeglichen ", so Ankerhold. Alkoholabhängige waren mit 2, 8 bis 3, 7 Millionen datiert. 150 000 von ihnen haben das Suchthilfesystem aufgesucht.

Im Anschluss an den Vortrag erfolgte Kleingruppenarbeit. Die Einteilung der Gruppen geschah per Losauswahl. Am Nachmittag unternahmen die Teilnehmer unter der Leitung von Ulf Mehnert und Hartmut Knispel die traditionelle Wanderung durch die Heide. Horst Blauth, ehemaliger Stationspfleger, der über Jahre die Heideführung vornahm, konnte dieses Mal krankheitsbedingt nicht teilnehmen. Er, der zu vielen ehemaligen Patienten eine intensive Bindung hat, schickte den Teilnehmern Grußworte und ermunterte sie, den trockenen Weg weiter zu gehen.

In der Suchtmedizin-Abteilung des Fachklinikums Uchtspringe gibt es derzeit 16 Psychotherapieplätze sowie 14 Betten für die Entzugs- und Motivationsbehandlung. Die psychotherapeutische Behandlung verbindet körperlichen Entzug mit gezielter Motivationsbehandlung und der Suche nach weiteren Behandlungsmöglichkeiten. Dieses ganzheitliche Herangehen führt die Patienten krisensicherer in die Abstinenz als eine rein körperlich orientierte Entgiftungsbehandlung.