Stendal ( nk ). Im Jahr 20 nach dem Mauerfall lassen wir an dieser Stelle Menschen aus Politik, Wirtschaft, Kultur zu ihrem persönlichen Mauerfall zu Wort kommen.

Heute : Andreas Krüger, Leiter des Johanniterhauses Lutherstift :

" Der Mauerfall hat aus meiner Sicht viele positive wie auch negative Folgen mit sich gebracht. Ich war 1989 23 Jahre alt und absolvierte nach dreijähriger Armeezeit gerade meine Ausbildung zum Krankenpfleger in Stendal. Positiv empfand ich zum einen, meine politische Meinung sowie meinen Glauben offen bekunden zu können, was sich erstmals auch in freien Wahlen widerspiegelte. Weiterhin waren auch die Reisefreiheit, der aktive Umweltschutz sowie die persönlichen Entwicklungschancen jedes Bürgers, unabhängig von seiner politischen und weltanschaulichen Einstellung, deutliche Verbesserungen. Trotzdem bemerke ich heute auch viele nachdenklich stimmende Folgen des Mauerfalls und das " Verblühen " vormals dagewesener Werte. Zum einen ist der Umgang der Menschen untereinander kälter und egoistischer geworden. Materielle Dinge, Äußerlichkeiten und ‚ ausgefahrene Ellenbogen ‘ bestimmen immer mehr das Leben. Viele Menschen schauen heute weg, wenn Arbeitslosigkeit, Unrecht, Gewalt, Krankheit und Armut immer mehr zunehmen. Doch zum Glück erlebe ich bei meiner täglichen Arbeit im Johanniterhaus Lutherstift auch immer mehr Menschen, welche dieser Entwicklung durch ehrenamtliches Engagement persönlich entgegenwirken wollen. "