Tangermünde ( aho ). " Himmel schien, ein blauer, Friede kehrte ein – Deutschland, meine Trauer, Du, mein Fröhlichsein. " Diese Worte schrieb Johannes R. Becher in " Heimat, meine Trauer " nieder. Und diese Worte zitierte am Sonntagvormittag Lena Sorge auf dem Tangermünder Friedhof. Die Schülerin der Klasse 12 b des Diesterweg-Gymnasiums hatte richtig damit getan, aus Anlass des Volkstrauertages eben dieses Werk von Becher zu wählen, denn obwohl November, strahlte nach vielen grauen Volkstrauertagen in Vorjahren am Sonntag ein blauer Himmel über Tangermünde – als hätte es die Abiturientin gewusst.

Nach der Einstimmung durch den Posaunenchor und der Rezitation sprach Bürgermeister Dr. Rudolf Opitz zu den anwesenden Stadträten, Mitgliedern von Vereinen und wenigen Bürgern, die sich der Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer von Krieg und Gewalt an der Kapelle des Friedhofs angeschlossen hatten.

Die Kriege, so Opitz, hätten auch vor Tangermünde nicht Halt gemacht. Zwar blieb das Städtchen von Bomben verschont, doch deren Einwohner hatten Opfer in ihren Familien zu beklagen. Zu Kriegsende war die alte Kaiserstadt am Westufer der Elbe der Rettungsanker für Tausende, die von Ost nach West flohen.

" Der Volkstrauertag erinnert an Zeiten von Krieg und Gewalt, die wir hoffentlich nie erleben müssen ", sagte der Bürgermeister. " Tun wir alles dafür ", forderte er auf. Das Gedenken an die Opfer sei ein Teil unseres Lebens, Teil unserer moralischen Verpflichtung.

Während der Posaunenchor spielte, legten Mitglieder der Stadtratsfraktionen, Mitglieder von Heimat- und Geschichtsverein, Marinekameradschaft und Sozialverband Deutschland Kränze und Blumengebinde am Mahnmal neben der Kapelle nieder. Nicht nur die Musik begleitete sie. Auch Vogelgezwitscher, Hähnekrähen und wärmende Herbstsonne umrahmten die Zeremonie.