Sie arbeiten eng zusammen und haben die gleichen Probleme : Das Stendaler Frauenhaus und die Beratungsstelle des Vereins Miss-Mut müssen jedes Jahr aufs Neue um ihre Finanzierung kämpfen. Am Montagabend hörte sich der städtische Ausschuss für Jugend, Frauen, Familie und Soziales ihre Sorgen an.

Stendal. Der gestrige Bericht in der Volksstimme aus dem Sozialausschuss des Landtags dürfte bei Miss-Mut-Beraterin Dorit Schubert und Frauenhaus-Leiterin Margot Nawitzki Erleichterung auslösen. Der Ausschuss hat die von der Landesregierung geplanten Mittelkürzungen von 15 Prozent bei sozialen Beratungsstellen und Frauenhäusern vom Tisch gefegt – zumindest vorerst. Nach seinem Willen soll die Förderung in den Jahren 2010 und 2011 auf dem bisherigen Niveau bleiben.

Am Montagabend, als die beiden Frauen dem städtischen Sozialausschuss ihre Sorgen, darunter die ÿ nanziellen, darlegten, konnten sie das noch nicht wissen. Sie sei inzwischen des alljährlichen Kämpfens um die Finanzierung des Frauenhauses müde geworden, klagte Margot Nawitzki entmutigt. Noch im März habe Sozialministerin Gerlinde Kuppe ( SPD ) die Landeszuschüsse für sicher erklärt. Dann habe Finanzminister Jens Bullerjahn ( SPD ) alles in Frage gestellt. " Von Juni bis jetzt haben wir nur gekämpft ", berichtete die Frauenhaus-Leiterin. Sie hätten bei Bullerjahn am Tisch gesessen und sich anhören müssen, dass dem Problem der häuslichen Gewalt auch ambulant begegnet werden könne.

Dass misshandelte Frauen mit ihren Kindern bei Verwandten oder Freunden Unterschlupf ÿnden könnten, und das häuÿg für längere Zeit – das hielten auch die Ausschussmitglieder für absurd. Am Fortbestand des Stendaler Frauenhauses wollen sie jedenfalls nicht rütteln. " Der Zuschuss der Stadt stand im Stadtrat noch nie in Frage ", versicherte Ausschussvorsitzender Mario Blasche ( Die Linke ). Er forderte die Stadtratskollegen auf, entsprechend auf ihre Parteifreunde auf Landesebene einzuwirken.

Selbst eine Reduzierung von acht auf sechs Plätze im Frauenhaus, wie sie in Magdeburg diskutiert worden sei, wäre nach Auffassung von Dorothea Richter, Vorsitzende des Frauenhaus-Vereins, nicht möglich. " Dann wären wir in diesem Jahr sieben Monate lang überbelegt gewesen ", sagte sie.

Bisher haben in diesem Jahr 50 Frauen mit 23 Kindern im Stendaler Frauenhaus Zu ucht gesucht und gefunden. Der größte Anteil, nämlich 21 Frauen, war im Alter von 18 bis 30 Jahren, doch auch Frauen bis 67 Jahren wurden aufgenommen. Zwei Schwangere üchteten sich in das sichere Obdach, eine junge Mutter kam mit ihrem Baby direkt aus der Frauenklinik ins Frauenhaus. Das berichtete Margot Nawitzki sichtlich bewegt.

Im Durchschnitt bleiben die Frauen 30 Tage im Haus. Die Auslastung der acht Zimmer, die zwischen 9 und 16 Quadratmeter groß sind, beträgt in diesem Jahr knapp 75 Prozent. Das täusche jedoch darüber hinweg, dass bei Notfällen Zimmer doppelt belegt werden müssten.

Die zwei festangestellten Mitarbeiterinnen, deren Bezahlung vom Land gefördert wird, müssen laut Fördervertrag 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr für Aufnahmebereitschaft des Hauses sorgen. Wie das wohl zu schaffen sei, fragte Vereinsvorsitzende Dorothea Richter. Deshalb habe das Haus eine geringfügig Beschäftigte als dritte Kraft einstellen müssen und sei auf Ehrenamtliche angewiesen, die den Bereitschaftsdienst mit abdecken.

Außer dem Land geben auch der Landkreis und die Stadt Zuschüsse für Sach-, Betriebs- und zusätzliche Personalkosten. Die Frauen, außer Hartz-IV-Bezieherinnen, zahlen sechs Euro, für Kinder zwei Euro Übernachtungsgebühr. Da das Frauenhaus 554 Euro Miete an die Stadt bezahlen und für Reparaturen selbst aufkommen muss, ist es ständig auf Spenden angewiesen.

Ähnlich geht es der Beratungsstelle des Vereins Miss-Mut. In diesem Jahr muss sie laut Beraterin Dorit Schubert 7500 Euro an Eigenmitteln aufbringen.