Die Internationale Bauausstellung IBA 2010 Sachsen-Anhalt bekommt in Stendal ein konkretes Gesicht. Für die große Altstadtbrache Rohrstraße / Karnipp will die Stadt jetzt ein Wohnprojekt entwickeln, das auf dem städtebaulichen Entwurf des Leipziger Büros Karo-Architekten basiert. Sein Name : Winckelmanns Höfe.

Stendal. Der Name des Architekturbüros ist in diesem Fall Programm. Das Projekt mit dem schönen Namen " Winckelmanns Höfe " setzt sich aus nahezu quadratischen Karos zusammen, auf denen sich jeweils drei Wohnhäuser, ein gemeinsames Nebengebäude und private Gärten befinden. Innerhalb des Quadrats können die Bauherren die einzelnen " Bausteine " verschieben : entweder drei Einzelhäuser oder ein Doppelhaus und ein Einzelhaus.

Die Baukörper können auch gedreht, gespiegelt und zur gewünschten Himmelsrichtung ausgerichtet werden. Die zwei Quadrate im Zentrum des kleinen Viertels beiderseits des Karnipp sollen als grüne Spielund Begegnungsflächen von einer Bebauung freigehalten werden. An der Rohrstraße werden durchweg traufständige Häuser aufgereiht, die eine Flucht bilden.

Ob es in einigen Jahren an Karnipp und Rohrstraße tatsächlich so aussehen wird, ist noch lange nicht sicher. Die Stadtverwaltung, so kündigte Planungsamtsleiter Axel Achilles im Ausschuss für Stadtentwicklung an, wird diesen Entwurf jetzt weiterentwickeln. Und dann – die wohl wichtigste Voraussetzung – müssen sich Interessenten finden, die in dieser Form bauen und wohnen wollen.

Der Entwurf der Leipziger Karo-Architekten ist eine von vier Arbeiten, die im Rahmen der IBA 2010 zum städtebaulichen Gutachterverfahren eingereicht wurden. Den " Winckelmanns Höfen " mit ihrer Modul-Struktur wurde der Vorzug gegeben. Die übrigen drei Projekte, die Achilles ebenfalls vorstellte, basierten zum Teil auf völlig anderen städtebaulichen Konzepten. So wurden eine sehr dichte straßenbegleitende Reihenhausbebauung und von einem anderen Büro einzeln stehende Punkthäuser vorgeschlagen.

Im Ausschuss trafen " Winckelmanns Höfe " weitgehend auf Wohlwollen. Dirk Hofer ( CDU ) machte darauf aufmerksam, dass die Zustimmung der Denkmalbehörden eingeholt werden müsse. Reinhard Weis ( SPD ) drängte auf Tempo : " Das muss jetzt flott losgehen. " Einige Grundstücksinteressenten gebe es bereits, ließ Georg-Wilhelm Westrum, der das Amt für Stadtumbau und Sanierung leitet, wissen. Die Schwierigkeit sei jedoch, jeweils zwei bis drei Bauherren für ein Quartier zusammenzubringen.