Stendal. Im Jahr 20 nach dem Mauerfall ließen wir an dieser Stelle seit dem 1. August 88 Menschen aus Politik, Wirtschaft, Kultur zu ihrem persönlichen Mauerfall zu Wort kommen.

Zum Abschluss äußern sich die Mitarbeiter der Stendaler Volksstimme zu diesem Thema.

Heute : Dirk Andres

" Der Abend, als die Mauer fiel, war für mich wie jeder andere. Ich war zehn Jahre alt und musste früh ins Bett. Am nächsten Tag in der Schule war alles wie immer. Erst am Wochenende erfuhr ich von meinen Eltern, dass die Grenzen offen waren. Den Sonntag nutzten wir, um zu unseren Verwandten nach Uelzen zu fahren. Während der Hinfahrt über Bergen ( Dumme ) brauchten wir vier ganze Stunden. Als wir zurückfuhren, war der Stau sogar 20 Kilometer lang, das wäre heute unvorstellbar. Erst am frühen Morgen erreichten wir Stendal, und ich kam noch pünktlich in die Schule. Wenn ich heute über den Mauerfall nachdenke, war es ein echter Glücksfall für Deutschland. Jedem Menschen steht heute die Welt offen, wenn er es nur will. Ich durfte mein Hobby Fotografieren auch ohne Studium zum Beruf machen. Inzwischen studiere ich trotzdem und genieße das Leben in einem freien Deutschland. Hunderte junge Menschen, auch aus den westlichen Bundesländern, studieren in Stendal und leisten einen Beitrag für den Abbau der gedanklichen Mauer. Die junge Generation, die zwischen Ost und West nicht unterscheiden musste, kennt keine deutsche Grenze. Und das ist gut so. "