Stendal. Wer in der Altstadt bauen und wohnen möchte, konkret : im Entwicklungsgebiet Rohrstraße / Karnipp, sollte sich die Ausstellung ansehen, die gestern im Foyer des Stadthauses Markt 14 / 15 eröffnet wurde. Bis zum 8. Dezember werden dort Projekte für, wie es heißt, " neuzeitliches Wohnen " in diesem Bereich gezeigt.

Im Zuge der Internationalen Bauausstellung IBA 2010 Sachsen-Anhalt, an der Stendal als eine von 19 Städten im Land beteiligt ist, hatte die IBA-Arbeitsgruppe " Profilierung der Innenstadt zum Leben, Arbeiten und Wohnen " zu einem Gutachterverfahren aufgerufen. Vier Architektur- und Planungsbüros hatten sich daran beteiligt – ihre Bebauungskonzepte sind jetzt im Stadthaus ausgestellt. Wie gestern schon berichtet, ist das Projekt des Büros Karo-Architekten aus Leipzig für die Weiterentwicklung und mögliche Realisierung ausgewählt worden. Als fünfte Variante zeigt das städtische Planungsamt seine bisherigen Vorstellungen von einer Neubebauung der großen Brache.

Der Karo-Vorschlag sei vor allem wegen seiner kleinteiligen und flexiblen Struktur favorisiert worden, sagte gestern Georg-Wilhelm Westrum, Amtsleiter für Stadtumbau und Sanierung. Wie berichtet, setzt er sich aus nahezu quadratischen Modulen zusammen, die mit Einzel- oder Doppelhäusern bebaut werden können. Auch der Ausschuss für Stadtentwicklung hatte sich für dieses Konzept ausgesprochen.

Die Beiträge der anderen Büros sprechen zum Teil eine völlig andere städtebauliche Sprache. So schlägt das Projekt von Luchterhandt aus Hamburg eine dichte, nahezu großstädtische Bebauung vor. Die interessante Besonderheit : Der beiderseits geschlossen bebaute Karnipp wird zu einem großzügigen Stadtplatz aufgeweitet. Laut Westrum habe die IBA-Arbeitsgruppe, deren Leiter er ist, dieses Konzept als nicht passend für die Struktur der Altstadt bewertet.

Eine starke Verdichtung in Form geschlossener Häuserzeilen an der Rohrstraße und an der Ostseite des Karnipp sieht der Entwurf von Steinblock-Architekten aus Magdeburg vor. Ganz anders Urban-Frame aus Halle : Das Büro plant weitgehend locker über das Gelände verteilte Punkthäuser, von denen einige die Straßenecken betonen.

Der größte Teil der Grundstücke in diesem Gebiet gehört bereits der Stadt, restliche Flächen sollen noch hinzugekauft werden. Wie Westrum sagte, werde in nächster Zeit ein Bebauungsplan aufgestellt. Doch an einigen Stellen könne auch vorher schon gebaut werden. So könnte an der Ecke Rohrstraße / Winckelmannstraße sofort ein Bauherr aktiv werden.

Die Stadt möchte Bauwillige, etwa junge Familien, ermuntern, in dieser Gegend zu bauen. Eventuell notwendige archäologische Untersuchungen auf den Grundstücken will die Stadt laut Westrum fördern.