Ex-TdA-Intendant Markus Dietze vererbte seinem Nachfolger Dirk Löschner ein Defizit in Höhe von 300 000 Euro. Das wird die Stadt Stendal nun ausgleichen müssen. Als erste Stadtratsfraktion setzte sich am Dienstagabend die CDU mit dem neuen Intendanten zusammen. Der Tenor des Gesprächs : Nach vorn blicken und die Lehren ziehen.

Stendal. " Desaster ", " Misswirtschaft " – Fraktionsvorsitzender Hardy Güssau beschrieb die kürzlich bekannt gewordene finanzielle Lage des Theaters der Altmark mit drastischen Worten. " Diesen Start haben wir Ihnen nicht gewünscht ", wandte er sich an Intendant Dirk Löschner, der die Unionsfraktion am Dienstagabend im Theaterpädagogischen Zentrum empfing. Neben der Suche nach den Ursachen für das 300 000-Euro-Loch müsse sich, so Güssau, auch die Stadtverwaltung die Frage gefallen lassen, warum ihr diese Entwicklung nicht schon längst aufgefallen ist.

Wie berichtet, ist das Rechnungsprüfungsamt seit Bekanntwerden des von Dietze hinterlassenen Defizits in die Buchführung des Theaters vertieft. Vom Prüfungsergebnis wollen die Stadträte abhängig machen, ob der Verursacher des Minus zur Verantwortung gezogen werden kann. Löschner ist vom Oberbürgermeister beauftragt worden, bis Ende dieses Monats ein Zukunftskonzept mit konkreten Zahlen zu erarbeiten.

Auch die CDU-Stadträte bekannten sich in ihrem Gespräch mit Löschner uneingeschränkt zur Zukunft des Stendaler Theaters. Güssau : " Wir müssen jetzt einen Neustart wagen. Wir wollen nicht nur in der Vergangenheit rühren, sondern den Blick nach vorn richten. " Allerdings müssten die Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden.

Löschner lobte ausdrücklich die positive Entwicklung, die das Theater unter Dietze in Sachen Publikumsakzeptanz genommen habe. " Umso schmerzlicher " sei das von ihm übernommene Vermächtnis. Und es hätte aus seiner Sicht gar nicht sein müssen. So wären die Verluste aus der Inszenierung der Grete-Minde-Oper in Tangermünde – eine der Ursachen für das Defizit – bei solider Kalkulation vermeidbar gewesen.

Auch mit einer anderen Abstecherpolitik hätte sich aus Löschners Sicht Geld sparen lassen. Wenn das Theater mit Musical-Produktionen wie " My Fair Lady " mit großem Aufwand über Land fährt, bringe das zwar hohe Zuschauerzahlen, aber auch enorme Kosten. Er habe sich erschrocken, als er das Haus übernahm und feststellte, dass es kaum konkrete Kostenrechnungen – wie etwa : Was kostet ein Abstecher ? – gebe. Das müsse jetzt aufgebaut werden : Löschner : " Ich sehe meine Stellschrauben nur innerhalb des Theaters. "

Doch der Intendant machte auch darauf aufmerksam, dass das Defizit nur eines der gegenwärtigen Probleme sei. So sei in den zurückliegenden fast 15 Jahren seit dem Umbau des Hauses zu wenig in die Technik investiert worden. Die Steuerung des Bühnenturms sei nur noch zum Teil funktionsfähig. In den nächsten Jahren müsse diese Maschinerie grunderneuert werden. Der 18 Jahre alte Theaterbus sei museumsreif ; Reparaturen würden sich demnächst nicht mehr lohnen. An einer Neuanschaffung müsse sich nach Löschners Meinung das Land beteiligen. Das sah Hardy Güssau, der auch Landtagsabgeordneter ist, ähnlich. Er werde das Thema mit nach Magdeburg nehmen, sagte er zu.

Trotz aller Probleme hält Löschner das Theater insgesamt für " gut aufgestellt ". Das neue Ensemble und die neue künstlerische Leitung hätten mit den elf Darstellern bereits neun Produktionen vorgelegt, " die vom Publikum gut bis sehr gut aufgenommen " worden seien. Auch im Abstechergeschäft gebe es bereits verstärkt Buchungen.