Neue Wege werden ab morgen in der Jugendarbeit von Stendal-Stadtsee beschritten : Dann nämlich eröffnet um 16 Uhr der erste Jugendclub der Stadt unter freiem Himmel. Norbert Krebber ist Initiator des Projekts und hat in den vergangenen Wochen die Eröffnung vorbereitet.

Von Martin Rieß

Stendal. Aus dem Kessel steigt der Dampf der Kürbissuppe mit Wildkräutern auf, in Grüppchen stehen die jungen Leute, reden miteinander, lachen und schmieden Pläne für die Zukunft. So könnte es morgen auf der Freifläche gegenüber der Arbeitsagentur in Stendal zugehen. Denn seit einigen Tagen hat Norbert Krebber vom Verein Vitos hier die Eröffnung des ersten Stendaler Jugendclubs unter freiem Himmel vorbereitet.

Das Projekt hat den Titel " Interkulturelle Jugendwerkstatt Globoli ", bei dem die jungen Leute Ideen entwickeln können, wie das Umfeld gestaltet und genutzt werden kann. Norbert Krebber : " Es geht darum, dass die Bewohner des Stadtteils keine fertigen Programme serviert bekommen und sich einen eigenen Jugendclub außerhalb geschlossener Räume aufbauen. "

Erste Vorschläge hat der Initiator vom Verein Vitos bereits gesammelt : Eine kleine Freilichtbühne könnte da angelegt werden ebenso wie Gemüsebeete oder Bereiche, in denen Sport getrieben wird. Anlaufpunkt ist ein Container, der zu je einem Drittel von der Stadt, von der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft und von der Wohnungsbaugenossenschaft WBGA finanziert werde, erklärt Norbert Krebber. Der Container soll zunächst bis Mitte Dezember – bis Ende des Jahres läuft die erste Förderrunde des Programms " Stärken vor Ort " – von Mittwoch bis Freitag ab 16 Uhr bis in die Abendstunden hinein besetzt sein.

Krebber erläutert neben dem kreativitätsfördernden Ansatz einen weiteren Grund, warum gerade jetzt der Jugendtreff unter freiem Himmel so wichtig ist : Der MAD-Club ist derzeit nämlich geschlossen – die Einrichtung wird saniert. Zwar bieten Stadt und freie Träger dem Stendaler Nachwuchs mit zahlreichen Einrichtungen ein buntes Bukett an Alternativen zur Freitzeitgestaltung. Doch wie das Leben so spielt : Oft lassen sich die unterschiedlichen Menschen nicht einfach so verpflanzen. Krebber : " Viele junge Leute werden nicht einfach so in einen anderen Club gehen, nur weil ihre angestammte Einrichtung für ein paar Monate schließt. Ich sehe damit durchaus die Notwendigkeit, hier eine Lücke zu schließen mit einem Angebot wie dem neuen Outdoor-Club. " Wenn allein die Ideen und das Engagement der Jugendlichen über die Inhalte bestimmen, laufe man am wenigsten Gefahr, an den tatsächlichen Interessen der Menschen vorbeizuplanen.

Dass der Duft der Kürbissuppe die Nachbarn stören könnte, steht kaum zu befürchten. Dass allerdings viele Menschen älteren Semesters Angst vor Lärm und Vandalismus haben, ist durchaus zu erwarten. Norbert Krebber : " Viel lauter als ein solcher Jugendtreff ist mit Sicherheit die Hauptstraße in der unmittelbaren Nachbarschaft. " Und auch dass es keinen Zaun um das Gelände geben soll, passe in dieses Konzept : " Die Menschen in Stadtsee sollen dazu kommen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Schwierigkeiten – falls denn tatsächlich welche auftreten sollten – im gemeinsamen Gespräch aus der Welt zu schaffen. "

• Die vom Programm " Stärken vor Ort " geförderte Globoli-Werkstatt hat Mittwoch bis Freitag ab 16 Uhr geöffnet, das Gelände ist aber die ganze Zeit zugänglich. Mit dem Programm soll die Eingliederung von Frauen und Jugendlichen ins soziale und berufliche Leben unterstützt werden. Weitere Projekte heißen beispielsweise " Plan b " und " Demographie konkret ".

• In Stadtsee werden folgende Initiativen gefördert mit insgesamt 80 000 Euro bis Ende des Jahres : Stadtse ( e ) her recherchieren ; Kunstplatte ; Bildungsstätte ALTMARK des BBZ ; Deutsches Rotes Kreuz ; Bürgerinitiative Stendal ; Verein Lebendige Steine ; KinderStärken.