Vor allem in den vergangenen 15 Jahren gab es rege Forschungsarbeiten am Havelberger Dom. Sie brachten überraschende neue Ergebnisse. Diese standen im Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Tagung, die am Wochenende im Prignitz-Museum stattgefunden hat.

Havelberg. Der mittelalterlichen Dombaugeschichte waren die Vorträge gewidmet, die am Sonnabend gehalten wurden. Den Anfang machte Joachim Hoffmann, der 2007 mit der Dissertationsschrift " Die mittelalterliche Baugeschichte des Havelberger Domes " an der Universität Trier promovierte. Er befasste sich darin mit den beiden Hauptbauphasen für den romanischen und den gotischen Teil des Bauwerks.

Der Bau des Doms im romanischen Stil zwischen 1150 und 1170 gilt als nachgewiesen. Dagegen sprechen Untersuchungen zum gotischen Umbau nach dem Brand 1279 für eine lange Bauphase von 100 Jahren und damit für eine Änderung in der bisher bekannten Chronologie. Bislang wurde davon ausgegangen, dass 1330 der gotische Umbau abgeschlossen war. Joachim Hoffmann geht davon aus, dass 1330 nur der Ostteil des heutigen Kirchenbaus fertiggestellt war.

Für eine längere Bauphase in verschiedenen Etappen im 14. Jahrhundert sprechen auch die Untersuchungen des Bau- und Kunsthistorikers Tilo Schöfbeck und des Kunsthistorikers und Bauarchäologen Dirk Schumann. Sie haben von Ost nach West verschiedene Baunähte ausgemacht und unterschiedliche Stein- und Putzarten festgestellt. Unter dem Dach des Hauptschiffes wurde das Holz untersucht. Mit dem Ergebnis, dass es zu unterschiedlichen Zeiten geschlagen wurde : das im westlichen Teil um 1384. Die Architektur der Giebel spricht ebenfalls für eine jüngere Bauzeit : um das Jahr 1380.

" Eine der ersten

Kirchen aus Stein

östlich der Elbe "

Allein diese drei Referenten zeigten auf, dass es noch zahlreiche Ansätze für weitere Untersuchungen gibt. Für Prof. Dr. Ernst Badstübner ein Grund, weiter zu forschen. Der Bauund Kunsthistoriker im Ruhestand referierte über die ersten Kirchenbauten östlich der Elbe. " Der Havelberger Dom ist nicht nur von territorialer Bedeutung, sondern von überregionaler ", sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. " Der Dom ist einer der ersten Kirchenbauten aus Stein in dieser Region östlich der Elbe, vielleicht sogar der erste. Er gibt Auskunft über die kirchliche Bautätigkeit in der Mitte des 12. Jahrhunderts, denn er steht im Kern noch fast unberührt so da wie in dieser Zeit. Das ist das Phänomen. "

Die Tagung stand unter dem Motto " Der Havelberger Dom und seine Ausstrahlung " und sollte im sachsen-anhaltischen " Jahr der Dome " die Aufmerksamkeit auf das Bauwerk im Norden des Landes lenken. Das Prignitz-Museum als Teil der Museen des Landkreises Stendal hatte gemeinsam mit der Uni Halle dazu eingeladen. Neben vielen Fachleuten nahmen auch Havelberger daran teil. Die Referenten zu den Themenkomplexen Dombau, Geschichte und Ausstattung – Experten auf ihrem Gebiet – garantierten ein enggestricktes, kurzweiliges Programm, bei dem es viel Neues zu erfahren gab, Erfahrungen und Erkenntnisse ausgetauscht und neue Fragen aufgeworfen wurden. " Vielleicht ist die Tagung Ausgangspunkt dafür, dass künftig mehr geforscht wird ", hofft die Havelberger Museologin Antje Reichel, die sich über die große Resonanz auf die Einladungen freut. Katrin Tille von der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt kündigte zur Eröffnung an, dass die Kunst- und Kulturgutverwaltung demnächst im Havelberger Dom aktiv werden will und eine Publikation über den Dom anschieben will. Bisher fehlt es an einer Monografie für das historisch sowohl für Sachsen-Anhalt als auch für Brandenburg bedeutende Bauwerk.