643 Sekundarschüler neunter und zehnter Klassen haben an einer Studie zur Berufswahl teilgenommen. Da 80 Prozent von ihnen eine Ausbildung antreten und nicht beispielsweise das Abitur machen wollen, sind die Antworten für Ausbilder, Berufsberater, Schulen und vor allem Eltern interessant.

Von Martin Rieß

Stendal. Fast die Hälfte – 46 Prozent – der Schülerinnen neunter und zehnter Klassen an Sekundarschulen im Landkreis wollen die Region nach ihrem Schulabschluss verlassen. Vor allem wohl, weil sie für ihre Ausbildung in der Altmark für ihren Wunschberuf keine ausreichenden Ausbildungsmöglichkeiten sehen. " Das ist ein erschreckendes Ergebnis, da müssen bei uns die Alarmglocken läuten ", sagte BIC-Geschäftsführer Thomas Barniske gestern in Stendal. Er hatte die Mitglieder des Ausbildungsbeirats mit Vertretern aus Wirtschaft, Schulen und von Ausbildungsträgern eingeladen, um mit ihnen die neue Studie " Ausbildungsplatzfindung – Berufsorientierung " zu diskutieren.

Die Schüler aller neunten und zehnten Klassen im Landkreis waren zu Plänen für die Berufsausbildung befragt worden, rund 75 Prozent der Jugendlichen sendete die ausgefüllten Fragebogen zurück. Ein positives Ergebnis : Von den Zehntklässlern, die im August und September befragt wurden, wussten 83 Prozent schon recht genau, welche Ausbildung sie einmal antreten wollen. Von den Neuntklässlern waren sich darüber immerhin schon 68 Prozent im Klaren.

Was allerdings die Ausbildungsziele der jungen Leute angeht, so orientieren die sich wohl im Wesentlichen an den langjährigen Modeberufen – für die es in der Regel allerdings nicht die ausreichende Anzahl an Ausbildungsplätzen gibt. So lagen bei den jungen Männern Kraftfahrzeugmechatroniker

und Tischler weit vorn, während es bei den jungen Frauen die Erziehrinnen, die Altenpflegerinnen, Krankenschwestern und Einzelhandelskauffrauen sind.

Wenig zufriedenstellend die Kenntnisse über die in der Region bestehenden Ausbildungsbetriebe. In einigen Gebieten waren zwar durchaus lokale Größen bekannt. Ansonsten waren große Unternehmen in der Region den Jugendlichen zu oft gänzlich unbekannt.

" Supermärkte ?

Das ist eben die

Lebenswirklichkeit

junger Leute "

Stattdessen : Konsumwelt. " Supermarktketten ? Meine Damen und Herren, das ist eben die Lebenswirklichkeit junger Leute ", konstatierte Thomas Barniske. Lichtblicke immerhin für die Firmen, die in den vergangenen Jahren sehr aktiv in die Werbung in Lehrlinge beispielsweise mit Schulpatenschaften investiert haben. Ganz vorn dabei waren auch die Stendaler Landbäckerei, das Johanniter-Krankenhaus, Graepel-STUV in Seehausen, die Milchwerke, das Zellstoffwerk und Altmärker Fleisch- und Wurstwaren.

Die Konsequenz und Handlungsempfehlung Barniskes nach dem Studium der Studie : Die Kontakte zwischen Schulen und Unternehmen – gerade den Unternehmen vor Ort – sollten intensiviert werden. Wenn es an bestimmten Schulen deutliche Vorlieben für bestimmte Berufe gibt, dann sollte man dort ansetzten. Die Arbeitsvermittler der Arbeistagentur sollen offensiv für ihre Dienste werben. Und die Eltern. Denn die sind nach Aussagen der Schüler in den meisten Fällen die Gesprächspartner, wenn es um die Berufswahl geht. " Wir müssen vor allem jene Eltern erreichen, die sich bislang nicht um die Ausbildung ihrer Kinder kümmern. " Das von der Arbeitsagentur organisierte Elterncafé sollte daher vor Ort eine Fortsetzung finden – nicht erst bei der nächsten Ausbildungsmesse und nicht erst in einem Jahr.