Ein erstes Resümee für das Modellprojekt Integrationsklasen an der Tangerhütter Grundschule gab Schulleiterin Andrea Hanke jetzt im Rahmen der Sitzung des städtischen Kulturausschusses. Auch wenn es Anfangs viele Ängste gab, fiel dieses durchaus positiv aus.

Von Birgit Schulze

Tangerhütte. Nach der Schließung der Tangerhütter Lernbehindertenschule ( LBSchule ) nach dem letzten Schuljahr wurde eine Möglichkeit gesucht, vor allem jüngeren Schulkindern weiter eine wohnortnahe Beschulung anzubieten. Die Entscheidung, ob ihr Kind an die LB-Schule in Stendal gehen, oder eine Integrationsklasse in Tangerhütte besuchen solle, lag allerdings bei den Eltern.

Fast eine ganze Klasse, genau elf Kinder, die sie schon in der zweiten Klasse unterrichtet hatte, konnte LB-Pädagogin Petra Weirich mit an die Tangerhütter Grundschule nehmen und als dritte Klasse weiter betreuen.

" Wir hatten anfangs auch unsere Ängste, wie das alles funktioniert, aber wir sind optimistisch rangegangen und mit gemeinsamer Arbeit aller Beteiligten funktioniert es auch recht gut ", so Schulleiterin Andrea Hanke.

Anders, als vom Bildungsministerium vorgesehen, wurden die Kinder aber noch nicht von Anfang an komplett in eine Grundschulklasse integriert, sondern nehmen zunächst nur in den Nebenfächern gemeinsam mit den normal Lernenden am Unterricht teil.

Mathematik und Deutsch bekommen sie nach wie vor in ihrer kleinen Lerngruppe und von ihren vertrauten Lehrern vermittelt. Einfach auch deshalb, weil ihr Lerntempo ein ganz anderes sei, erklärt die Schulleiterin.

Lehrerin Petra Weirich sagte : " Ich staune selbst, dass viele meiner Kinder an der neuen Schule ein gutes Selbstvertrauen aufgebaut haben. Sie sind hier ganz normale Kinder und werden von den anderen auch so angenommen. "

Auch wenn es vor allem von Seiten einiger Eltern anfangs Bedenken gegeben habe, sei sie mit dem Zusammenwachsen sehr zufrieden, so Andrea Hanke. Sie sagt : " Auch wir als Pädagogen müssen selbst immer wieder dazulernen – aber es geht eben auch anders. " Stadtratsmitglied und Vorsitzender des Behindertenverbandes Sachsen-Anhalts, Marcus Graubner, sagte nach dieser positiven Zusammenfassung : " Es ist eine große Freude für mich, dass dieses Projekt hier funktioniert. Es ist ein Traum vieler behinderter Menschen, dass man das so machen kann und wir sind in Tangerhütte einen guten Schritt weiter gekommen.

Ich freue mich, dass das Modell Integrationsklassen machbar ist und die Kinder dabei nicht die Verlierer sind. Wichtig ist für sie doch, dass auch hier die Lehrer dieselben geblieben sind. Ich bin stolz auf diese Schule. Dieses Modell muss auch für Sachsen-Anhalt Schule machen, denn wir reden immer von einer Gesellschaft, die stark sein soll und alle mitnehmen soll. Das ist doch ein tolles Beispiel dafür. "

Die Integrationsbemühungen an der Tangerhütter Grundschule sollen künftig auch körperlich beeinträchtigten Kindern den Besuch ermöglichen, im Rahmen des Umbaus der Schule werden das Hauptgebäude und der Speiesaal nebenan barrierefrei gestaltet. Bei der behindertengerechten Gestaltung von Zugängen und Sanitäranlagen bot Marcus Graubner dem Architekten Dr. Joachim Richter im Namen des Behindertenverbandes seine Unterstützung an. " Wir könnten als Verband nochmal draufgucken, bevor alles fertig ist ", sagt er. Erste, vorgezogene Arbeiten an Dach und Fenstern des Speisesaals sind inzwischen erfolgt oder begonnen worden.