Die neuen Eigentümer der verbliebenen reichlich 500 Wohnungen von Stendal-S üd wollen ihre Mieter am 17. Oktober mit einem Fest begrüßen. Im Eingang Hanseallee 57 haben erste Renovierungsarbeiten in zwei Wohnungen begonnen. Für die Arbeiten wurden Mieter eingestellt.

Stendal. VUB, WGS Treubau, Neutecta, Janssen und Helbing – Andrea Röder, Süd-Bewohnerin der ersten Stunde, verliert allmählich den Überblick angesichts der langen Reihe wechselnder Vermieter seit ihrem Einzug vor 21 Jahren. Nun also die M & E Real Estate GmbH aus Baden-W ürttemberg, hinter der türkische Investoren stehen. " Es kann eigentlich nur besser werden ", sagt sie und denkt dabei an die vielen Jahre zurück, in denen absolut nichts an den Häusern und in den Wohnungen getan wurde.

Für sie ist es schon besser geworden. Die neuen Eigentümer aus Bad Rappenau haben Andrea Röder und sechs weitere Bewohner der Süd-H äuser für Renovierungsarbeiten als Haushandwerker eingestellt und aus der Arbeitslosigkeit geholt. Im Eingang Hanseallee 57 haben sie vor wenigen Tagen damit begonnen, die ersten zwei Wohnungen aufzufrischen. " Alte Tapete und Fußböden raus, Risse verspachteln, tapezieren, Laminat rein, Bad fliesen ... " – als gelerntem Baufacharbeiter, der lange arbeitslos war, ist Lothar Nehring keine dieser Arbeiten fremd. Mit großem Optimismus macht sich das kleine Team an die Arbeit.

Hausmeister Andreas Rohner, den M & E Real Estate vom vorigen Eigentümer der Wohnungen übernahm, hat ein Auge drauf. Die besonders heruntergekommenen Hausfl ure, sagt er, sollen auch nach und nach hergerichtet werden. " Nach und nach, es wird nicht gleich alles komplett neu gemacht ", beschreibt Andreas Karger, der als Rechtsanwalt die Eigentümerfi rma vertritt, das geplante Vorgehen von M & E. Neben der Renovierung von Wohnungen würden auch Wärmeschutzmaßnahmen ins Auge gefasst. Als erstes sollen Giebel verkleidet und Dächer in Ordnung gebracht werden. Karger : " Wir sind in Kontakt mit einer Stendaler Planungsgesellschaft, die sich mit den Plattenbauten auskennt. "

In der Stadtverwaltung sehe man die Aktivitäten in Süd " mit Interesse, aber noch ohne Euphorie ", sagt Norbert Wesling, im Rathaus unter anderem für das Beteiligungscontrolling zuständig. Wenn erste Wärmedämmungen realisiert und die Renovierungen in großem Tempo fortgeführt werden, sei das erfreulich und im Interesse der Mieter. " Da kann die Stadt nichts dagegen haben, vorausgesetzt, das ist eine nachhaltige Entwicklung. "

Auch wenn die Stadt dem Wohngebiet Süd vor Jahren keine Entwicklungs- und Förderpriorität mehr eingeräumt hat, sei sie verpflichtet, die Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Norbert Wesling : " Die Mieter in Süd sind genauso wichtig wie alle anderen Stendaler. " Keine Behinderungen und keine Verhinderungen – das sei die Philosophie der Stadt im Umgang mit den neuen Eigentümern. Wenn etwa eine Baugenehmigung beantragt wird, werde das " pfl icht- und sachgemäß und so schnell wie möglich " bearbeitet. Denn auch für Süd gelte : " Das private Eigentum ist ein hohes Gut, in das wir nicht eingreifen. "

M & E Real Estate, Tochter einer Istanbuler Immobilienund Baufirma, hatte im Juli dieses Jahres bei der Zwangsversteigerung im Amtsgericht für 2, 8 Millionen Euro den Zuschlag für die 554 Wohnungen der insolventen Janssen & Helbing bekommen. Die Stadt Stendal, die zuvor erwogen hatte, einen Teil der Wohnungen zu kaufen, hielt sich aus Kostengründen zurück.

Am Sonnabend, 17. Oktober, wollen sich die neuen Eigentümer ihren Mietern ab etwa 12 Uhr mit einem Fest an der Bremer Straße vorstellen. Neben Musik und Clownerien wird ein Falkner mit Raubvogelvorführungen erwartet.