Bei den Bauarbeiten im Kellerbereich der Klosteranlage am Havelberger Dom haben die Arbeiter interessante Funde gemacht. Der wertvollste ist eine Glasscherbe aus dem 16. Jahrhundert mit dem Abbild des Gottvaters.

Havelberg. Seit vielen Jahren wird im und am Ostflügel des Havelberger Doms gebaut. Stabilisierung, Modernisierung, Werterhaltung, Denkmalpflege, Historie und vieles mehr werden hier berücksichtigt. Das große Dach wurde in Teilabschnitten fertiggestellt und gleichzeitig Putzarbeiten am Außenmauerwerk mit erledigt. Zurzeit ist eine Havelberger Firma in den Kellerräumen des Ostflügels tätig.

" In diesem Bereich entstehen Räumlichkeiten für die evangelische Kirchengemeinde. Der Keller der Klosteranlage, an einem Holzbalken wurde die Jahreszahl 1199 entdeckt, soll für den Sanitärbereich ausgebaut werden ", berichtet Museologin Antje Reichel. Sie hat eigentlich mit den Bauarbeiten gar nichts zu tun. Dachte sie jedenfalls. Bei den Abrissarbeiten einer alten Treppe kamen dann aber eine Nische und ein alter Kellerzugang zum Vorschein. Da dieser Zugang unbekannt war, wurde er von den beiden Maurern Maik Tippel und Uwe Petschik freigelegt.

" Die Nische war mit Erde aufgefüllt, in der die Arbeiter zahlreiche Scherben, Weinflaschen und vieles mehr fanden ", freut sich Antje Reichel. Bekannt ist, dass sich in diesem Keller der Weinkeller des Staatsministers Otto-Karl-Friedrich von Voss befand. Er war von 1784 bis 1823 Dompropst. Beim Abriss einer Mädchenkammer, die sich über der alten Kellertreppe befand und etwa 1795 gebaut wurde, kam unter dem Fußboden aber der wertvollste Fund ans Tageslicht. " Maik Tippel fand hier das Bruchstück einer Kabinettscheibe. Das sind kleine runde Scheiben, die früher im Wohnbereich verwendet wurden. Dieses Bruchstück stammt aus dem 16. Jahrhundert und zeigt Gottvater ", so Antje Reichel. Außerdem wurden ein mittelalterliches Glasbruchstück, Geschirr, ein kleiner Mühlstein und auch ein kleiner Fingerring von den Bauarbeitern gefunden.

Diese wertvollen Dinge befanden sich alle im Erdreich der Kellerräume, das etwa 50 Zentimeter abgetragen wurde. " Wir mussten die Erde per Hand hier herausbringen, denn mit Technik ist in den alten Gewölben nichts zu machen ", erklären die Maurer den Aufwand. Der hat sich aber in positiver Weise für das Prignitz-Museum gelohnt, denn dadurch wurden zahlreiche Schätze geborgen.

" Wir sind den Mitarbeitern der Havelberger Baufirma sehr dankbar dafür, dass sie bei ihrer Tätigkeit im Klosterkeller die Augen aufgemacht haben und all die Scherben und anderen wertvollen Sachen aufgesammelt haben ", so Antje Reichel. Aufderwissenschaftlichen Tagung " Der Havelberger Dombau und seine Ausstrahlung " am kommenden Wochenende wird der Fund im Dombereich das Thema in einer Gesprächsrunde sein.