Mit einem Fest begrüßten die neuen Besitzer der Wohnblocks in Stendal-Süd am Sonnabend ihre Mieter. 494 Wohnungen, in denen mehr als 500 Stendaler leben, nennt die M & E Real Estate GmbH ihr Eigen. M & E steht für die Namen der neuen Eigentümer, den türkischen Unternehmer Sadik Tekin Evren aus Istanbul und seinen aserbaidschanischen Partner Nasir Mustafazada aus Baku.

Stendal. " Wir wollen Gesicht zeigen, möchten den Mietern sagen : Wir sind da, damit es hier wieder besser wird, und wir haben ein offenes Ohr für euch ", sagt Andreas Karger, Anwalt der Vermieter von rund 500 Stendalern in diesem von der Stadt aufgegebenen Stendaler Wohngebiet. Die hier Lebenden sind nicht unbedingt gut auf ihre Stadtväter zu sprechen.

" Uns ist etwas von der Ungewissheit genommen "

Wut steigt in Horst Schulze hoch, wenn er die verunkrauteten Flächen am Rand von Süd sieht. " Die gehören der Stadt. Vergleichen sie das mal mit Stadtsee, dann wissen sie, wie die Stadt zu uns steht. Hier passiert nichts mehr. " Gern hätte er das " denen von der Stadt " selbst gesagt. Aber : " Außer Oberbürgermeister Schmotz, der zweimal hier war, lässt sich ja keiner sehen. "

Auch Torsten Figura findet es " ziemlich traurig ", dass die städtische Infrastruktur in Süd " immer mehr zurückgefahren wird ". Doch dem 35-Jährigen ist es an diesem Tag viel wichtiger, dass es in seinem Wohngebiet trotzdem nun wieder " etwas nach vorn geht. " Zum ersten Mal in den sechs Jahren, die er hier wohne, habe er dieses Gefühl. " Es ist ein Lichtblick. Uns ist ein wenig von der Ungewissheit genommen, was aus unserem Wohngebiet wird. Auf alle Fälle geben sich die neuen Vermieter Mühe. Sie haben mit dem Sanieren angefangen und auch rund um die Blöcke schon was gemacht. Ich bin optimistisch ", sagt er. Nicken in der Runde am Stehtisch, in dessen Nachbarschaft es volksfestlich zugeht.

Ein Clown zwirbelt mit flinken Fingern Tiere aus Luftballonschlangen. Kinder toben auf einer Hüpfburg. Gegenüber werden Schmetterlinge und ähnliches auf die Gesichter von Mädchen und Jungen geschminkt. Deren Eltern lassen sich von Karin Hühn verwöhnen. Sechs Kuchen und drei Torten hat sie gebacken. " Ich bin ins Büro des Vermieters gegangen und habe gefragt, ob ich das machen kann. Die haben mir das Geld gegeben, um die Backzutaten zu kaufen. Das genügt mir ", sagt die Frau, die 1997 nach Süd zog.

Im Festzelt hat indess die Musik zu spielen begonnen. Ralf Müller – wie seine Fans vor der Bühne Bewohner von Süd – rockt als Double des Puhdys-Frontmanns Dieter (" Maschine ") Birr durch die Reihen. Die E-Gitarre um den Hals, röhrt er " Alt wie ein Baum " ins Mikrophon und die Festgäste stimmen ein.

Etwas abseits des Trubels sind Anwalt Karger und Ramazan Karabelut als Vertreter der Eigentümer gefragte Gesprächspartner. " Die Leute haben viele Fragen und Probleme. Sie sagen uns das und wir werden ihnen so schnell wie möglich helfen ", verspricht Karabelut.

Andreas Karger kann diesbezüglich bereits etwas konkreter werden " Wir wollen weitere Wohnungen so herrichten, dass die Mieter, die einziehen möchten, das nicht mehr wochenlang selbst tun müssen. Dächer sind instandzusetzen, zum Teil auch Heizungen und Fenster zu erneuern. In absehbarer Zeit wollen wir auch mit Giebelsanierungen beginnen, damit die Mieter in diesen Wohnungen von den Heizkosten her nicht mehr benachteiligt sind. "

" Es soll für die Mieter bezahlbar sein "

Ob die Investitionen Mieterhöhungen nach sich ziehen werden ? Ausschließen könne er das perspektivisch gesehen nicht, so der Anwalt auf Nachfrage, denn : " Es muss für die Vermieter auskömmlich und soll für die Mieter bezahlbar sein. Auf keinen Fall werden wir den Mietspiegel steigern. "

Die Bewohner von Süd vertrauen darauf. Mehr noch : Sie heißen die neuen Besitzer mit einer Überraschung willkommen. Lothar Nehring verrät, was Karin Hühn und er sich dafür einfallen ließen : " Wir sind mit einer Liste von Tür zu Tür gegangen. Wenn dieser oder jener 50 Cent dazulegt, müsste es für ein paar Blumen reichen, haben wir uns gedacht. " Es reichte für den blumigen Vertrauensvorschuss und für kleine Präsente, die dankend angenommen wurden.