Stendal. Etwas versteckt im grünen Herzen von Röxe hat sich eine kleine Firma, von vielen Stendalern unbemerkt, über vier Jahrzehnte behauptet und erfolgreich entwickelt : die Enßlen GmbH, die in Schweißtechnik, Pumpen und Elektromotoren macht. Am morgigen Freitag feiern Gründer Paul Enßlen, Sohn und Mitgeschäftsführer Oliver und ihre 15 Mitarbeiter den 40. Gründungstag.

Elektromaschinenbauer Paul Enßlen war jahrelang auf Montage in Schwedt und später im Stendaler Dienstleistungskombinat tätig, als er das dringende Bedürfnis verspürte, sich selbständig zu machen. Ende der 60 er Jahre, in tiefsten DDR-Zeiten, zwischen mehreren Wellen von Zwangskollektivierungen ? Ob das funktioniert ?

1969 bekam der heute 66-Jährige seinen Gewerbeschein. Der Ein-Mann-Betrieb Ankerwickelei Enßlen war geboren, eine Reparaturwerkstatt für Elektromotoren. Eine alte Werkstatt an der Lutherstraße auf dem Nachbargrundstück des heutigen Firmengeländes war sein erster Standort. Reparieren durfte Enßlen nur " für den Bevölkerungsbedarf ", nicht etwa für Großkunden aus der Industrie, diese Bedingung war an die Gewerbegenehmigung geknüpft. Doch auch in der DDR wurden Prinzipien bei Bedarf aufgeweicht. Bald erkannten Partei und Staat, dass ein qualifizierter Handwerksbetrieb schmerzhafte Lücken schließen kann. Industriebetriebe wurden mehr und mehr Hauptauftraggeber für die Firma Enßlen. Anfang der 70 er Jahre stellte sich Paul Enßlen mit der Instandsetzung von Schweißtechnik auf ein zweites Standbein. Da hatte er erste Mitarbeiter eingestellt. Bis 1989 wurden es zehn, größer durfte der Privatbetrieb nicht werden. Der Kalibetrieb in Zielitz, die Stralsunder Werft und die KKW-Baustelle gehörten zu seinen größten Kunden.

" Die ersten Jahre waren schwierig, aber nicht schwieriger als heute ", blickt Paul Enßlen zurück. " Das Hauptproblem war die Materialbeschaffung. " Das fiel mit der Währungsunion schlagartig weg, aber schon brachen die neuen Probleme über die kleine Firma herein. " Plötzlich wollte niemand mehr etwas reparieren lassen ", berichtet Oliver Enßlen. " Betriebe, die gestern noch unsere Kunden waren, gingen in Konkurs, waren einfach nicht mehr da. 98 Prozent unserer Aufträge wurden storniert. " Da hieß es umdenken, die Mitarbeiter umschulen, sich neue Kunden suchen. Sein Vater begann, einen Schweißfachhandel aufzubauen und die Pumpentechnik ins Haus an der Lutherstraße zu holen. Auch der Anlagen- und Rohrleitungsbau kamen dazu.

" Die Bandbreite wurde immer größer, die Anlaufschwierigkeiten waren enorm ", sagt Oliver Enßlen. Aber Vater und Sohn hatten erkannt, dass auch ein kleiner Handwerksbetrieb " breit aufgestellt " sein muss, wenn er sich auf dem Markt behaupten will. Heute ist die Enßlen GmbH mit ihren 15 Mitarbeitern – neben den Reparaturen und dem Rohrleitungsbau am Firmensitz – vor allem ein Dienstleister beim Kunden vor Ort. Mitarbeiter sind mit Servicewagen und Hebezeugen im ganzen Land unterwegs. Eines ihrer Produkte, das unter freiem Himmel zu besichtigen ist, ist zum Beispiel eine große Feldberegnungsanlage bei Barleben.