Kinderarmut, die Etrusker und der Stendaler Tiergarten – das sind die ersten Themen im Wintersemester der Kinder-Universität, das am Sonnabend, 24. Oktober, beginnt. Die Uni für die Kleinen, ein Gemeinschaftswerk der Hochschule Stendal und der Winckelmann-Gesellschaft, geht in ihre vierte Runde.

Stendal. 200 bis 250 Sieben- bis Zwölfjährige haben im vergangenen Semester an der Stendaler Hochschule " studiert ". " Sie tun das mit großer Intensität und voller Emotionen, springen auf im Audimax, wenn sie etwas begeistert ", erzählte Projektleiter Prof. Raimund Geene gestern auf einer Pressekonferenz im Rathaus. Bei seinen älteren Studenten erlebt er so etwas eher selten.

Am Sonnabend, 24. Oktober, nimmt die Kinder-Uni ihren Studienbetrieb wieder auf. An drei Sonnabenden – weiter geht es am 28. November und am 30. Januar – bietet sie jeweils zwei Vorlesungen von 11. 15 bis 12 Uhr und von 12. 15 bis 13 Uhr. Den Zyklus eröffnet am 24. Oktober Dr. Michael Klundt, der über das Thema Kinderarmut spricht, gefolgt von Dr. Axel Rügler, dessen Vorlesung die Thematik " Götter, Helden, Kämpfe und Liebschaften – Wie kommen griechische Sagen zu den Etruskern ?" beleuchtet. An den folgenden Uni-Tagen sprechen unter anderem Prof. Dr. Max Kunze, Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, und Tiergartenleiterin Anne-Katrin Schulze über die Grabgebräuche der Etrusker beziehungsweise über ein tierisches Thema, das noch genauer bestimmt wird.

Das Projekt Kinder-Uni ist im Fachbereich angewandte Kindheitswissenschaften der Hochschule angesiedelt. Studenten wie Melanie Lubke, Michael Siegmund und Christian Klaus sowie Organisator Falko Leonhardt begleiten es intensiv, bereiten die Veranstaltungen vor und sorgen für eine ausführliche Nachbereitung in Seminaren. Dabei haben sie neben der positiven Bewertung des Angebots durch die Kinder auch kleine Defizite festgestellt. " Es nehmen hauptsächlich Acht- bis Elfjährige und darunter zwei Drittel Mädchen an den Vorlesungen teil ", berichtete Melanie Lubke in der Pressekonferenz. Man überlege deshalb, mit welchen Themen auch ältere Kinder und mehr Jungs begeistert werden können.

Kinder auch aus bildungsferneren Schichten zu erreichen – eines der drei wesentlichen Ziele der Kinder-Uni –, sei laut Prof. Geene bisher noch nicht gelungen. Dieses Manko wollen die Veranstalter nun mit einem Experiment angehen. Michael Siegmund hat mit Sekundarschulleitern in Stendal und Tangermünde gesprochen. Ergebnis : Am Freitag, 23. Oktober, einen Tag vor dem eigentlichen Semesterbeginn, werden sechs fünfte und sechste Sekundarschulklassen ins Audimax auf dem Hochschulcampus strömen. Michael Siegmund : " Wenn es uns gelingt, 20, 30 oder gar 40 von ihnen für die Kinder-Uni zu begeistern, wären wir sehr zufrieden. "

Die Stendaler Kinder-Uni gilt als exportfähiges Erfolgsmodell. Ähnliches wird derzeit am Standort Magdeburg der Hochschule vorbereitet.